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Freiburg: Der Gemeinderat schlaeft, wir nicht (30.09.13)

Freiburger Altstadt-Bewohner zeigen Flagge gegen Partylärm 

Der Streit um den nächtlichen Lärm in der Freiburger Altstadt verschärft sich: 
Der Lokalverein hat jetzt eine Aktion initiiert. 100 "Ruhe"-Transparente hängen bereits – und kritisieren auch die Stadt.



Mehr als 100 Fahnen und Tücher hängen an Häusern [...] der Altstadt: "Ruhe" ist darauf zu lesen oder "Der Gemeinderat schläft - wir nicht". Die Anwohner wehren sich gegen zu lauten Partylärm und gegen [...] das Nichtstun der Stadtpolitik. Der Vorstand des Lokalvereins Innenstadt fordert, dass die Sperrzeiten für einzelne Zonen der Altstadt neu geregelt werden - und dass ein kommunaler Ordnungsdienst eingeführt wird [...].

Der Streit um den nächtlichen Lärm in der Altstadt wird schärfer [...]. Vorbild der Aktion ist ein Protest von lärmgeplagten Anwohnern in Heidelberg: Die hängten im Sommer 2009 Bettlaken aus den Fenstern auf denen etwa stand: "Wir wollen schlafen"  [...].

Der Lokalverein will eine zonierte Sperrzeitenregelung: Kneipen in Wohnstraßen sollen deutlich früher schließen. Es brauche auch ein Gaststättenkonzept, einen verbesserten Nachtverkehr, einen Ordnungsdienst ("Egal, wie er heißt") und ein Alkoholverbot auf Plätzen. Hier setzen die Anwohner auf die grün-rote Landesregierung. Das Innenministerium habe immerhin vor kurzem in Heidelberg und Ravensburg eine umfassende Umfrage zum Thema gestartet.

via Badische Zeitung, Joachim Röderer, 30.09.2013

Bettlaken-Aktion ab 10.6.2011

Ab Freitag, den 10. Juni gibt es wieder 
eine Bettlakenaktion in der Heidelberger Altstadt.

Wie schon letztes Jahr:
Hängt ein Bettlaken aus dem Fenster 
mit eurem eigenen Text.


Druckt das Logo aus und hängt es mit dem Bettlaken zusammen auf. 
Hängt es in eure Fenster, an die Türen, etc.!




RNZ: LindA fordert längere Sperrzeiten in der Altstadt (27.05.11)

Die Bürgerinitiative stört sich weiterhin an Lärm und Dreck der Feiernden –
und stellt die "Partygastronomie" an den Pranger


Am Dienstagabend fand sich im Essighaus kein freier Stuhl mehr. Die Bürgerinitiative "Leben in der Altstadt" (LindA) hatte zur Bürgerdiskussion geladen, die der Auftakt von weiteren Gesprächen mit Gemeinderat und Stadtverwaltung sein soll.

Das Ziel ist ein Gleichgewicht zwischen Wohnqualität, Geschäftsleben und auch Vergnügen im 11000 Einwohner starken Stadtteil. "Dieses Gleichgewicht ist seit Jahren gestört", beklagte LindA-Sprecher Abraham de Wolf. Das Hauptproblem der Altstädter ist noch immer der Lärm und Dreck der Feiernden nach Mitternacht.

Die Debatte ist nicht neu, doch die Bürger haben den Kreis der "Verdächtigen" eingeengt. Nun stehen ganz bestimmte Lokale der Partygastronomie am Pranger. Außerdem kritisierten die Anwohner, dass die Polizei auf Beschwerden kaum reagiere. "Am Wochenende zwischen 2 und 6 Uhr geht die Polizei nicht mehr gegen Lärm vor", klagte ein Anwohner. Der Grund sei, dass der Ordnungsdienst ab 2 Uhr "aus tariflichen Gründen" die Arbeit einstellen würde. Zudem seien die Vollzugsbeamten überfordert. Nur etwa zehn seien für Altstadt und Neckarwiese zu sammen zuständig.

Das Kernproblem seien die Sperrzeiten. "Die schwarz-gelbe Regierung hatte die Sperrzeiten noch mal auf 5 bis 6 Uhr reduziert", berichtet Karin Werner-Jensen, SPD Gemeinderätin und LindA-Mitglied. Zwar können die Kommunen die Zeiten verlängern, was Heidelberg auch getan hat. Aber für eine noch längere Nachtruhe gäbe es im Gemeinderat keine Mehrheit. Der Grund: Kurze Sperrzeiten sind schlecht für den Tourismus.

"Das ist Unsinn", sagte Hotelier Thomas Weil, Geschäftsführer des "Vier Jahreszeiten" in der Haspelgasse. "Alle Kollegen, die ich gefragt habe, hassen den Lärmpegel ebenfalls. Unsere Gäste gehen nicht bis um 5 Uhr morgens aus", betonte er. Im Gegenteil: Die Heidelberger Hotels und die Nicht-Partygastronomie, wie etwa das Traditionscafé Burkardt, leiden unter dieser besonders rücksichtslosen Klientel.

Genauer gesagt: den Partywilligen aus den Umlandgemeinden und den Junggesellenabschieden. "Wenn eine Kneipe schließt, wandern diese Leute laut grölend in die Nächste. Am Ende wollen alle in die Clubs, die die längsten Öffnungszeiten haben. "Und wenn sie da nicht rein kommen, gibt es Schlägereien", so der Tenor.

Wenn es richtig spät wird, müssen die Auswärtigen lange auf Busse oder Taxis warten. An besseren Verbindungen wie erweiterten Moonlinern hätten die Umlandgemeinden kein Interesse. "Die verdienen nichts daran, wenn die Dorfjugend zum Feiern nach Heidelberg fährt", sagte eine weitere Anwohnerin, "also wollen die auch kein Geld für solche Busverbindungen aufbringen".

Das beste Mittel die Situation relativ schnell und kostengünstig zu verbessern, sei die Verlängerung der Sperrzeiten. Zu dem will die Bürgerinitiative in der Altstadt eine Neuauflage der Bettlaken Aktion starten.

Ab dem 10. Juni wollen die Altstädter wieder mit großen Transparenten vor Ort darauf hinweisen, was sie von "Grölern" und "Pinklern" halten.


RNZ, Reinhard Lask, 27. Mai 2011

Bürger für Heidelberg: Jahresbericht 2009


Bürger für Heidelberg, LindA, Aktion Bettlaken, Bebauungsplan, Bürger für Heidelberg, Gelbe Karte, Jahresbericht, Runder Tisch 2009/10, Vereinbarung zur Verminderung von GaststättenlärmLeben in der Altstadt
Inzwischen wird der Name unserer BÜRGER-Arbeitsgruppe „Leben in der Altstadt“ - verkürzt LINDA – von einer eigenen Bürgerinitiative, die sich spontan gegründet hat, sehr effektiv genutzt. Das Maß an Lärm, Dreck und Vandalismus in bestimmten Altstadtgassen war im Sommer 2009 so unerträglich geworden, dass viele Bewohner Bettlaken mit Protestaufschriften über die Gassen spannten. „Es reicht mit Lärm und Dreck“, „Gegen die Verwahrlosung der Altstadt“, „Wir wollen schlafen“ oder „Kein Krach!“ war da zu lesen. Über diese spektakuläre Bettlakenaktion berichtete sogar die BILD-Zeitung (7.10.2009), worauf die Zustände in der Altstadt von Oberbürgermeister Würzner sofort zur „Chefsache“ erklärt wurden.

Erneut wurde ein Runder Tisch ins Leben gerufen, an dem neben anderen Gruppierungen auch Vertreter der BÜRGER FÜR HEIDELBERG teilnahmen, um zusammen mit der Stadtverwaltung und der Polizei nach Lösungen zu suchen. Die Stadtverwaltung nahm die Forderungen von LINDA ernst und entwickelte auf dieser Grundlage einen 58 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog. Gegen diese Pläne kamen sofort massive Proteste aus den Reihen der Wirte, aber auch von Vertretern der studentischen Fachschaften, da die vorgeschlagenen Maßnahmen (z.B. die bis dato geltende Sperrzeit beizubehalten, strenge Kontrollen des Alkoholausschanks auf die Straße etc.) als zu restriktiv empfunden wurden.

Es ist jedoch zu betonen, dass der Maßnahmenkatalog lediglich die Durchsetzung bestehenden Rechts zum Inhalt hat. Was diese Beschlüsse des Runden Tisches letztendlich bringen, wird sich im Sommer 2010 erweisen.

An dieser Stelle möchten wir daran erinnern, dass bereits im Jahr 2003 auf Initiative der BÜRGER FÜR HEIDELBERG ein Runder Tisch mit Polizei, Deutschem Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), BÜRGER FÜR HEIDELBERG und der damaligen Oberbürgermeisterin Weber eine „Vereinbarung zur Verminderung von Gaststättenlärm in der Altstadt“ erarbeitet hatte. Diese Übereinkunft zeigte praktisch keine Wirkung, da sich nur wenige Unterzeichner an die Abmachung hielten, wohl vor allem deswegen, weil Verstöße gegen die Vereinbarung nicht sanktioniert werden konnten. Auch die vom Ordnungsamt eingeführte Gelbe Karte für Störer hatte keinen Effekt. Nach kurzfristiger Verbesserung verschlechterte sich die Situation in der Altstadt erneut.

Wir hoffen, dass die Beschlüsse des gegenwärtigen Runden Tisches vom Gemeinderat mitgetragen und von den Vollzugsbehörden durchgesetzt werden und setzen uns weiterhin für die Altstadt als lebenswertes Wohnumfeld ein.



Bebauungsplan Östliche Altstadt
Im Oktober 2009 verabschiedete der Gemeinderat nach langem Anlauf den Bebauungsplan Östliche Altstadt. Im März 2001 hatte der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans für die östliche Altstadt beschlossen. Die Begründung lautete damals, dass „die in der östlichen Altstadt bestehende hohe Dichte an Schank- und Speisewirtschaften zu erheblichen Konflikten mit der ansässigen Wohnnutzung - besonders im Hinblick auf die Nachtruhe“ führt. Als Ziel wurde u.a. genannt: „Schank- und Speisewirtschaften [sollen] innerhalb des Geltungsbereiches nach Anzahl und Umfang auf den derzeitigen Stand beschränkt bleiben“. Gegen den von der Verwaltung erst Mitte 2008 vorgelegten Entwurf haben wir unsere Bedenken und Anregungen zu Protokoll gegeben, weil die Zielsetzung des Aufstellungsbeschlusses in vielerlei Hinsicht verfälscht wurde: Der Geltungsbereich des Planes wurde stark reduziert. Es wurden beispielsweise Häuserblöcke entlang der B37 herausgenommen, weil dort wegen der geplanten Promenade die künftige Nutzung nicht feststehe. Auch dürfen sich in ausgewiesenen Teilen der Altstadt Kneipen ausdehnen oder sogar neue eingerichtet werden. Dennoch ist ein erster Schritt getan, die Wohnqualität in der Stadt zu sichern. Wir fordern aber nach wie vor, dass der Bebauungsplan nicht auf den bislang festgelegten Bereich beschränkt bleibt, sondern auf die gesamte Altstadt ausgedehnt wird.

> via Bürger für Heidelberg (vollständiger Bericht als PDF)

RNZ: Friedenszeichen an die Stadt (22.12.09)

„Friedenszeichen an die Stadt“
Altstädter beenden ihren sichtbaren Protest gegen Lärmbelästigung


Heidelberg, Altstadt, Dreikönigsstrasse, LindA, Lärm, Randale, Dreckkaf. Monatelang hatten die Altstadt Anwohner ihren Unmut über Lärm und Dreck kundgetan und Betttücher mit Aufschriften aus den Fenstern gehängt. Doch seit gestern Nachmittag sind die Transparente verschwunden. Die Anwohner haben sie eingerollt, als "Friedenszeichen an die Stadt", wie Karin Werner-Jensen, Sprecherin der Bürgerinitiative "Leben in der Altstadt" (LindA), es nennt.

"Wir wollen schlafen" stand auf dem Bettlaken in der Dreikönigsstraße, das als erstes abgenommen wurde. An diesem Wunsch der Anwohner hat sich nichts geändert. Die Arbeit der Bürgerinitiative wird laut LindA Mitglied Franz Dänekamp fortgesetzt. Es gebe beispielsweise eine Arbeitsgemeinschaft, die mit Lärmmessungen die Belastungen aufzeigen wolle. Andere Gruppen befassten sich mit rechtlichen Fragen oder planten neue Aktionen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Die Bettlaken seien nur des halb eingerollt worden, weil man jetzt mit der Stadt im Gespräch sei und an einem runden Tisch sitze. Die Anwohner erwarten von der Stadt jetzt vor allem Handlungsbereitschaft. Man sehe die Bemühungen, aber es müssten auch Maßnahmen durchgesetzt werden, die die Belange der Altstädter berücksichtigten, so Werner Jensen.

RNZ, kaf, Foto: Joe 22.12.09

meier: 'Schlaf Heidelberg, schlaf' (28.10.09)



> Download via "meier"

meier online: 'Protest in Heidelberg, Gröler halts Maul!' (26.10.09)


In der Unteren Straße in Heidelberg sind Wildpinkler, Gröhler und Rucksacksäufer unerwünscht [...]. Jedenfalls, wenn es nach den Gastronomen [...] geht [...] sollen sie „zu Hause“ bleiben. So können das nun alle lesen [...] Zwei Banner hängen da. Mit Verbotsschildern [...].

Die Gastronomen haben – um es intellektuell und poetisch auf den Punkt zu bringen – die Schnauze voll. Genauso wie die Anwohner (die ihrerseits ebenfalls schon lustiges und künstlerisch wertvolles Protestmaterial produziert haben, darunter Transparente, auf denen in freundlichem Diplomatendeutsch zu lesen ist: „Gröler halts Maul“). Und nun? [...]

was halten die Touristen von der Banner-Aktion? Finden sie Heidelberg jetzt doof? Denken sie vielleicht: Ja, die spinnen, die Heidelberger – wollen sie uns nicht mehr? – Nö. Die Touristen sind … ähm, nun ja … „begeistert“. Wir haben drei von ihnen gefragt (natürlich repräsentativ!): einen Mann aus Bayern [...] eine junge Frau aus der Pfalz und einen Japaner [...]. Der Bayer sagte: „Joa mei, dös’ is’ joa … joa gut, ääähhh … wie deppert …“ Den Rest haben wir dann leider nicht mehr verstanden. [...] Die junge Frau sagte: „Jo, also isch määhn: Des de Hamma’ … Sellwart schuld, die Leit’, wonn’se do wooohnää duuun …“ Okay, auch hier haben wir leider nicht alles verstehen können. Wahrscheinlich aber auch nicht weiter schlimm.

Und der Japaner? Der machte zunächst ein Beweisfoto [...] und sagte anschließend trocken und in schönstem Ballaballa-Englisch: „Sörmani. Funifunifuni.“ Zwei Worte. [...] Das war’s. Mehr nicht. Aber egal. Genügt schon
[...].

meier online, Dimitri Taube

> via meier-online.de (Datum/Abruf: 26.10.09/28.10.09)

Dreikönige: Heidelberger Altstadt wird Chefsache (14.10.09)

Die Altstadt wird Chefsache, dann aber mal los….

Heidelberg Altstadt, Bürgerinitiative Linda, Lärm, Pro Altstadt, Untere Straße, Lärm, Krach, Randale, Saufen, Dreck, Pinkeln, Dreikönigsstrasse, Heilige Drei KönigeGemeinsam ist es uns gelungen, Öffentlichkeit, Stadtspitze und Kommunalpolitiker, auf die nächtlichen Zustände in unserem schönen Stadtteil aufmerksam zu machen.

Dies war nur möglich, weil sich so viele Nachbarn und Betroffene einig sind. Nun sollten wir nicht nachlassen, unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen:
Wir wollen nachts endlich wieder durchschlafen.


  • Wir wollen, dass die Stadtverwaltung und der Gemeinderat
    dem zügellosen Partytreiben im öffentlichen Straßenraum,
    dem wir fast rund um die Uhr ausgesetzt sind, Einhalt gebietet.
  • Wir wollen, dass die Altstadt nicht zur „Saufmeile“ wird.

  • Wir wollen wirksame Maßnahmen gegen Schmutz,
    Vandalismus, Urin und Scherben.

Wir warten darauf, dass den Worten Taten folgen.
Deshalb protestieren wir weiter, bis wir konkrete Schritte erkennen,
die eine Verbesserung nach sich ziehen.



Deshalb weiter mitmachen:
Bettlaken, Pinkelverbotsschilder, Protestplakate.

Wir sind nur stark, wenn man uns hört!


V. i. S. d. P.: Josef Staudt (Initiative 'Heilige Drei Könige')



Mitmachen!
Aktion gegen die drohende Verwahrlosung der Altstadt


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© Piktogramm: Thommy Weiss/Pixelio




Bild: Ist Heidelberg eine Saufstadt? (08.10.09)

08.10.09, Bild Rhein-Neckar

Ist Heidelberg eine Saufstadt?

Bild-Interview mit Oberbürgermeister Eckart Würzner


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BIlD: Heidelberg hat unter jungen Menschen bereits das Image einer Saufstadt. Was sagen Sie dazu?

Eckart Würzner: "Heidelberg hat in erster Linie den Ruf, eine lebendige Kulturszene zu haben und dazu gehört auch eine Kneipenszene. Extensiven Alkoholexzessen in der Altstadt haben wir und werden wir durch Ausschöpfung aller rechtlichen Maßnahmen verhindern. Leider ist gerade vor kurzem das Alkoholverbot im öffentlichen Raum und was wir auch in Heidelberg geplant haben in Freiburg durch den VerwaItungsgerichtshof gestoppt worden. Durch polizeiliche Einzellmaßnahmen werden wir jetzt noch stärker aktiv."

BIlD: Die Missstände In der Altstadt sind seit Jahren bekannt. Was hat die Stadt bisher dagegen unternommen?

Würzner: "Die Stadt Heidelberg hat bereits eine Menge von Maßnahmen getroffen. Zuerst hat sie auf kooperative Zusammenarbeit mit den Gaststätten gesetzt. So gab es einen Runden Tisch Lärm in der Altstadt, der dazu geführt hatte, dass viele Gastwirte freiwillig ohne behördlichen Zwang Schalldämmmaßnahmen in den Gaststätten vorgenommen haben. Anfang des Jahres wurde erstmals ein Kommunaler Ordnungsdienst eingesetzt. Vom KOD werden jetzt konsequente Anzeigen gegen ruhestörenden Lärm, gegen unzulässiges Urinieren und sonstige Ordnungsverstöße ausgesprochen."

BILD: Wie lange wird die "Bettlaken-Aktion" der Altstadt-Anwohner geduldet?

Würzner: "Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das ich achte. Gegen die offene Bettlaken-Aktion habe ich grundsätzlich keine Bedenken, sofern dadurch keine Verkehrsbeeinträchtigungen hervorgerufen werden oder das Stadtbild erheblich beeinträchtigt wird."

BILD: Reichen die bisherigen Maßnahmen Ihrer Meinung nach aus, um ein normales Leben In der Altstadt führen zu können?

Würzner: "Wir haben in den letzten Jahren ein großes gesellschaftliches Problem mit jungen Erwachsenen auf der Straße. Auch hat sich das Ausgehverhalten drastisch verändert. Die bisherigen Maßnahmen allein reichen nicht mehr aus. Deshalb sind weitere Maßnahmen geplant. So wurde die Einrichtung eines Runden Tisches eingeleitet, an dem alle Beteiligten an Lösungen arbeiten sollen, um die neuen gesellschaftlichen Probleme zu lösen."


08.10.09, Bild Rhein-Neckar, Carsten Kraenzle


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siehe auch:
> Bild: "Heidelberger Altstadtbewohner haben die Nase voll von Lärm und Dreck" (07.10.09)

RNZ: Würzner - „Die Altstadt wird jetzt Chefsache" (08.10.09)

via www.rnz.de

Würzner: „Die Altstadt wird jetzt Chefsache"

Linda Altstadt Heidelberg Lärm BürgerinitiativeHeidelberg. Oberbürgermeister Eckart Würzner macht die Altstadt-Problematik zur Chefsache. Damit reagiert er auf die sich häufenden Beschwerden über Lärm, Randale und Dreck, wie sie in einer großen Bürgerversammlung mit über 250 Teilnehmern vor eineinhalb Wochen geäußert wurden. [...]. Dem widerspricht Würzner im RNZ-Interview und kündigt eine harte Haltung der Stadt an, die offensiver als bisher gegen die Zustände vorgehen will.

Haben Sie sich vor eineinhalb Wochen bei der Bürgerversammlung gedrückt?
Ich stelle mich jeder Diskussion. Ich gehe zu jeder Einladung, sofern sie rechtzeitig eingegangen ist, denn ich suche den Dialog und das Gespräch. Ich weise ausdrücklich die Behauptung zurück, dass es von mir eine Anweisung gegeben hat, dass dieser Termin von der Stadtspitze nicht wahrgenommen werden sollte.

Warum ist sonst niemand aufgetaucht?
Ich musste mich, gerade nach den Sommerferien und nach der Einführung des neuen Gemeinderates, um viele andere Aufgaben kümmern, [...].

Hätte denn der zuständige Bürgermeister Erichson hingehen können?
Das stand nie in Abrede, ich stelle so etwas jedem Dezernenten frei. Aber ich gebe zu, dass es uns zum damaligen Zeitpunkt nicht so klar war, dass ein so deutlicher und dringender Handlungszwang besteht. [...].

Kamen Sie deswegen nicht, weil sie sich in einer Unterschriftenliste von Anwohnern geschmäht fühlten?
Als OB darf man nicht zu empfindlich sein, harte Worte richten sich nicht gegen meine Person, sondern gegen meine Funktion. Wobei ich den Stil mancher Äußerungen und Transparente nicht billige.

Wie ernst ist denn die Situation in der Altstadt?
Es ist nicht einfach, in der Mitte einer urbanen Stadt eine lebendige Kneipenszene und wohnen in der Nähe zu vereinen – [...]. Wegen der zunehmenden Beschwerden über Lärm oder Urinieren haben wir den Kommunalen Ordnungsdienst mit sechs Mitarbeitern eingeführt, der jetzt auf acht aufgestockt worden ist, um der Polizei bei der Eindämmung der Ordnungswidrigkeiten in der Altstadt und auf der Neckarwiese zu helfen. Aber ich gebe zu, dass sich die Situation in der Altstadt nicht deutlich verbessert hat. Und ich gebe zu, dass mir das vorher nicht so klar war.

Machen Sie die Altstadt-Problematik jetzt zur Chefsache?
Ja, denn ich halte es für zwingend. Die Situation macht es erforderlich, dass die Verwaltungsspitze direkt eingreift. Deswegen habe ich angeordnet, dass die rechtlichen Vorgaben wie die Außenbewirtschaftung und die Sperrzeiten zwingend einzuhalten [...]. Das kann bis zum Konzessionsentzug gehen.[...].

Die Anwohner erwarten sofortige Hilfe, wann kommt die?
Zunächst durch meine Anordnung, auch wenn das nur ein Baustein von vielen ist. Im ersten Schritt geht es um die konsequente Einhaltung der rechtlichen Regelungen. Dazu gehört auch, dass sich die Wirte sich ihrer Verantwortung bewusst werden, für ausreichend Toiletten zu sorgen. Und die müssen in einem Zustand sein, dass man sich überhaupt drauf traut. [...].

Wird denn der Kommunale Ordnungsdienst auch nach 2 Uhr präsent sein, wie es die Anwohner fordern?
Er ist ja nur eine Ergänzung zur Polizei, denn eigentlich kann nur die Polizei effektiv mit alkoholisierten Altstadtgästen umgehen, ihnen einen Platzverweis erteilen und sie notfalls in die Ausnüchterungszelle bringen. Aber ich bin offen für eine Verschmelzung des Ordnungsdienstes mit dem "alten" Gemeindevollzugsdienst, [...].

Hat die Stadt in der Vergangenheit das Problem ernst genug genommen?
Dass die Situation in Teilen der Altstadt so nicht mehr vertretbar ist, wurde mir nicht so vermittelt – denn ich bin abends meist auf Dienst-Terminen und kaum in der Altstadt. [...]. Das Alarmierende ist aber, dass sich in den letzten 20 Jahren weniger die Kneipendichte verändert hat als vielmehr das Verhalten einiger junger Erwachsener, die viel zu viel trinken.

Die Altstadt war noch nie ein Kurpark. Was hat sich in den letzten Jahren verändert?
Die Leute gehen wesentlich später aus. Viele aus dem Umland kommen mit dem letzten Zug in der Altstadt an und fahren mit dem ersten morgens volltrunken heim. [...]. Und das verschärft sich auch noch dadurch, dass wir als Stadtverwaltung das Trinken in der Öffentlichkeit und den Verkauf von Alkohol aus Kiosken heraus bisher nicht verbieten konnten. Da hat uns das Land im Regen stehen lassen, indem wir die rechtlichen Grundlagen nicht bekommen haben, dagegen vorzugehen. Wenigstens dürfen wir ab dem 1. Januar alle Kioske schließen – was wir sofort tun werden.

Mal ehrlich: Möchten Sie gern in der Altstadt wohnen?
Ich habe früher gern in der Altstadt gewohnt, als ich als Student noch öfters unterwegs war, aber in meinem Alter macht man das nicht mehr so oft. [...] Auch wenn Kneipen zur Altstadt gehören, darf die Altstadt nicht unter ihnen leiden.

Würzner nimmt sich die Wirte vor
Gestern gab OB Eckart Würzner die ausdrückliche Anweisung, dass der Kommunale Ordnungsdienst die Außenbewirtschaftungs- und die Sperrzeiten streng überprüft – Zuwiderhandlungen können sogar mit Konzessionsentzug geahndet werden. In einer Anordnung, die der RNZ vorliegt, kassiert Würzner die verkürzten Sperrzeiten [...], falls es Beschwerden gibt. Generell werden "wegen der hohen Lärmbelastungen keine weiteren Sperrzeitverkürzungen gewährt" – also sollten alle Kneipen wochentags bis 2 Uhr und wochenends bis 3 Uhr schließen. Die Außenbewirtschaftung ist nur noch bis Mitternacht zulässig – was scharf kontrolliert werden soll.

Ab dem 1. Januar ist der Verkauf von Alkohol nach 22 Uhr verboten – das gibt der Stadt die Handhabe, die Kioske, in denen sich bisher die "Rucksacktrinker" eingedeckt haben, zu schließen. Der Kommunale Ordnungsdienst soll schwerpunktmäßig in der Altstadt eingesetzt werden, [...]. In den nächsten Tagen will Würzner mit Polizeidirektor Bernd Fuchs über mehr Polizeipräsenz in der Altstadt reden. Und schließlich will Würzner selbst den Runden Tisch leiten, um dort ein Gesamtkonzept für die Altstadt zu erarbeiten.



Von Micha Hörnle (Foto: Hoppe)
> via www.rnz.de (Datum/Aufruf: 08.10.09)

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Bild-Zeitung: "Heidelberger Altstadtbewohner haben
die Nase voll von Lärm und Dreck" (07.10.09)

Bild-Zeitung, Carsten Kraenzle, 07.10.09

Bettlaken-Protest gegen Sauforgien 
Heidelberger Altstadtbewohner haben die Nase voll von Lärm und Dreck

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Heidelberg - Das Fass ist übergelaufen. Seit Jahren müssen die Heidelberger Altstadt-Bewohner mit den üblen Auswüchsen wilder Sauforgien leben: Durchfall im Hauseingang, Erbrochenes, das im Kopfsteinpflaster klebt, Uringestank in den Seitengassen, wüste Schlägereien vor dem Schlafzimmer.

„Wie kann die Stadt so etwas dulden?" fragen sich nicht nur die Altstädter. Die Situation ist angespannt. Mehrere Bürgerinitiativen haben die ekelerregenden Zustände an die Stadt herangetragen - ohne Erfolg. Jetzt ist man sich einig: Nur die Gründung einer gemeinsamen Initiative kann die Altstadt vor dem Abstieg hin zur Saufstadt retten. Gleich an der ersten Versammlung von „Linda" (Leben in der Altstadt) nahmen mehr als 250 Bürger teil. Stadträtin Karin Werner-Jensen, eine der treibenden Kräfte: „Wir suchen den Dialog mit der Stadt, nicht die Konfrontation. Doch nun muss etwas passieren."

Eine erste Aktion: Auf großen Bettlaken demonstrieren die Altstadt-Bewohner mit Parolen wie „Mehr Nachtruhe" oder„Wir wollen schlafen" gegen die unhaltbaren Zustände. Alles großflächig sichtbar auch für die vielen Touristen in Heidelberg. Auch die lassen sich von der Partymeile gerne anlocken. Einige Kneipen fördern den Sauftourismus in der Stadt, indem Sie bereits am frühen Abend Ballermann-Hits auflegen.

Gudrun L.: „Wir haben nichts gegen Kneipengänge, wollen, dass die Geselligkeit ihren Platz hat." Doch die Hemmungen sich gehen zu lassen sind gesunken. Ganze Gruppen verabreden sich, um „die Sau rauszulassen".

„Wenn die Gesellschaft sich verändert, müssen auch die Rahmenbedingungen angepasst werden", sagt Sabine lansen (68).

Das fordern die Betroffeııen:
  • Bewohner der Altstadt müssen unbeeinträchtigt von Lärm. Randale, Verunreinigung leben können.
  • Präsenz der Ordnungskräfte von 0-6 Uhr
  • Abstimmung zwischen Polizei und städttischen Ordnungskräften
  • einseitige Bevorzugung von Einzelhandel, Kommerz, Gastronomie abschaffen
  • Veröffentlichung der Anzahl der Gaststätten, der Sitzplätze, Art der Konzession
     

Bild-Zeitung, Carsten Kraenzle, 07.10.09

RNF Life 05.10.09

RNF life: "Weißer Protest in der Heidelberger Altstadt gegen Kneipenlärm"







 



> via youtube (Datum/Aufruf 05.10.09)
> RNF-Video-Portal


Reaktion via Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren,
einerseits freue ich mich, dass Sie das Thema des Altstadtlärms in Heidelberg in Ihrer Sendung behandelt haben. Andererseits war die Anmoderation die reinste Frechheit und auch Zwischentöne des Sprechers aus dem Off während des Beitrages können einem übel aufstoßen.

Ich selber bin 24 Jahre alt - habe weder Falten noch graue Haare und auch aus meinem Fenster hängt ein Betttuch als Zeichen des Protests. Auch ich gehe gerne mal einen Cocktail trinken und komme spät in der Nacht heim - dennoch weiß ich mich zu benehmen. Beim Satz "...das weiß jeder, der sich die Altstadt als Wohnort ausgewählt hat" schwingt auch wieder mit "dann zieht halt weg/in der Altstadt ist es nunmal laut".

Hierzu Folgendes: Viele Bewohner leben seit Jahrzehnten in der Altstadt, sind teilweise "Sume" - sprich in der Altstadt geborene Altstädter. Dies hier ist ihre Heimat, die nunmehr seit einiger Zeit in Pfützen aus Erbrochenem, sonstigen Körpersäften und Gegröle bis nachts um 4 versinkt. So ein Verhalten sollte in keiner Gesellschaft hingenommen werden.


Gerne können Sie auch mal bei den Hoteliers der Stadt, z.B. des Traditionshauses "Zum Ritter" nachfragen, wie sich die aktuelle Entwicklung auf die Zufriedenheit ihrer Gäste auswirkt....

Mit der Bitte um weitere aber sachliche Berichterstattung verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Cornelia Gräf

Rhein-Neckar-Zeitung (05.10.09)

Trotz alledem: Altstädter mit Humor
Rhein-Neckar-Zeitung (05.10.09)
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Mannheimer Morgen (05.10.09)

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Dreikönigsinitiative - Fotos