Posts mit dem Label Runder Tisch 2004 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Stadt Heidelberg: Abschlussbericht der Arbeitsgruppe
'Lärm in der Altstadt' (25.10.04)



PDF Arbeitsgruppe 'Lärm in der Altstadt', Abschlussbericht der Stadt Heidelberg (2004)




Zitate 2004:

02. Allgemeine Vorbemerkungen
"Die Arbeitsgruppe tagte erstmals am 29.05.2002 und (...) in neun weiteren Sitzungen."

03. Gaststättenlärm"Aus der Vielzahl der Beschwerdepunkte (Lärm durch laute Musik, insbesondere durch Bässe, Lärm durch Live-Musik sowie Lärm durch Außenbewirtschaftung) wurde vom Umweltamt durch Nacherhebungen bei betroffenen Nachbarn ermittelt, dass die Musikanlagen als die dominante Lärmquelle bei den Gaststätten einzustufen sind. In fünf Sitzungen der Arbeitsgruppe „Lärm in der Altstadt“, auch mit den betroffenen Gaststättenbetreibern, wurde nach technischen und organisatorischen Maßnahmen gesucht, um das Lärmproblem zu entschärfen."

"In der Folge gilt es, die Einhaltung der in der Vereinbarung getroffenen Maßnahmen sicherzustellen. (...). Gaststätten, welche die Vereinbarung nicht unterzeichnet haben und durch Lärmbelästigungen auffallen, werden vom Amt für öffentliche Ordnung - mit Unterstützung des Amts für Umweltschutz, Energie und Gesundheitsförderung als fachtechnischer Behörde - mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen zur Erfüllung ihrer Pflichten bewegt."

04. Gaststättenfolgelärm
"Die Eindämmung des Gaststättenfolgelärms hängt maßgeblich von der Einhaltung der in der Vereinbarung getroffenen Maßnahmen durch die Gaststättenbetreiber ab. Denn auf der Straße wird unter anderem Publikum von lauter Musik aus Gaststätten bei geöffneten Fenstern und Türen angezogen.

Es wurden folgende Lösungsansätze diskutiert:
Einsatz von Lärmkontrolleuren zur Nachtzeit.
- Zusätzliches Ordnungspersonal bei Stadt und Polizei.
- Sperrzeit-Ende flexibel gestalten, bzw. Sperrzeit ganz aufheben.
- Bei Neukonzessionen intensive Prüfung der Art des Lokales und Begrenzung des Innenraumpegels aus Gründen des Arbeits- und Umweltschutzes.
- Gespräche mit Wirten über die Änderung von Betriebskonzepten.
- Ordnungswidrigkeiten-Anzeige gegen Randalierer.


Einige Punkte können von der Verwaltung nicht beeinflusst werden (z.B. zusätzliches Personal bei der Polizei) und anderen Maßnahmen stehen derzeit personelle und finanzielle Restriktionen entgegen.

So scheitern nächtliche Kontrollen durch städtische Bedienstete schlicht und einfach an fehlendem Personal.

Neben der strikten Einhaltung der Vereinbarung werden die drei letztgenannten Maßnahmen der obigen Aufzählung umgesetzt werden."

05. Verkehrslärm
"Der Verkehrslärm in der Altstadt ist gekennzeichnet durch
a) das unerlaubte Fahren in der Fußgängerzone zur Nachtzeit und
b) das unerlaubte Parken in der Umgebung von Gaststätten sowohl innerhalb als auch
außerhalb der Fußgängerzone.

Hauptproblem ist nach Einschätzung des Verkehrsreferats die nachlassende Verkehrsmoral (...), weshalb es durch die zahlreichen Ein- und Ausfahrtmöglichkeiten in die Altstadt zu nächtlichen Lärmproblemen kommt. Mit Beginn der Sperrzeit, wenn Gäste aus Lokalen bei ihren abgestellten Autos im Umfeld von Gaststätten die Motoren anlassen und die Autoradios aufdrehen, entstehen starke Belästigungen.

In 2 Arbeitskreissitzungen zu diesem Thema wurde erarbeitet, dass hauptsächlich durch ein neues Verkehrskonzept für die Altstadt die Lärmbelastung wirksam reduziert werden könnte. Dieses Verkehrskonzept sieht vor, dass die Zahl der Zu- und Abfahrtsmöglichkeiten in die Altstadt drastisch reduziert wird und an diesen Zu- und Abfahrtsmöglichkeiten nur noch Berechtige (z. B. mit Chipkarte) einfahren dürfen.

Auf diese Weise würden die bislang unerwünschten Begleitgeräusche beim An- und Abfahren der Kraftfahrzeuge in die dafür vorgesehenen öffentlichen Parkhäuser verlagert, die Nachbarn spürbar von diesen Belästigungen entlastet und das bislang illegale Parken im Fußgängerbereich nachhaltig unterbunden.

Dieses Verkehrskonzept wird vom Verkehrsreferat erstellt und kann nur mittelfristig unter Beteiligung aller politischen Gremien umgesetzt werden."

07. Weiteres Vorgehen
"Die Arbeitsgruppe beendet mit diesem Bericht ihre Tätigkeit. Die noch nicht abschließend bearbeitenden Punkte werden von den jeweils betroffenen Fachämtern weiter verfolgt."


> via Stadt Heidelberg

Jahresbericht 2004

Bürger für Heidelberg
Jahresbericht 2004, Altstadt

• Lärm in der Altstadt •
Nachdem die BÜRGER am gemeinsamen „Runden Tisch“ mit städtischen Ämtern, Anwohnern, Polizei und Gastwirten eine Vereinbarung zur Lärm-Reduzierung erreicht hatten, wurden einzelne Erfolge messbar: Der Einbau von Pegelbegrenzern brachte punktuell einige Erleichterung. Im Mai 2004 wurde die Vereinbarung zur Lärm-Minderung von weiteren 10 Gastwirten unterzeichnet.

Allerdings stellen der Gaststättenfolgelärm in den engen Straßen und auf dem Marktplatz, der unerlaubte Autoverkehr und die lautstarke Belästigung, die in Sommernächten von den Studentenverbindungen ausgeht, für die Bewohner mancher Altstadtbereiche weiterhin eine fast unzumutbare Belastung dar. Bei den Studentenverbindungen finden die Bürger keine verantwortlichen Ansprechpartner.

Die Polizei ist personell nicht in der Lage, zum Zeitpunkt des größten nächtlichen Lärms punktgenau zu den verschiedenen Lärmquellen zu kommen.

Die BÜRGER FÜR HEIDELBERG luden am 16. November 2004 zu einer öffentlichen Veranstaltung über die Erfahrungen zweier Sommer ins Schmitthennerhaus ein. Frustrierte Altstädter machten ihrem Herzen Luft, während Stadt, Wirte und Polizei ausführten, das ihnen Mögliche getan zu haben.

Inzwischen hat die Stadt mit einem uns wenig befriedigenden Abschlussbericht die Arbeit des "Runden Tisches" für beendet erklärt und die Zuständigkeit für die Bekämpfung nächtlicher Ruhestörung an verschiedene Ämter verteilt, was es den um ihren Schlaf gebrachten Bewohnern nicht gerade leichter macht. Nach wie vor ist die Lärmbelastung in der Altstadt gravierend und zwar sowohl durch lautstarke Musik aus Gaststätten als auch wegen des Gaststättenfolgelärms, der sich zunehmend in Richtung Vandalismus, Sachbeschädigung und Körperverletzung entwickelt.

Um weiterhin einen gewissen Überblick über die nächtlichen Störungen zu erhalten, haben wir in Absprache mit der Polizei eine Vorlage für eine Art "Lärmtagebuch" erstellt.

Sorge bereitet uns darüberhinaus die enorme Zunahme von "Events" und Veranstaltungen unterschiedlichster Art auf den Plätzen und Straßen mit dem Ziel, Käufer und Konsumenten in die Altstadt zu holen. (Z.B. Riesenrad auf dem Uniplatz, geplante Eisbahn auf dem Karlsplatz etc.). Diese Tendenz zur intensiven Vermarktung stellt die Anwohner und die BÜRGER FÜR HEIDELBERG vor die Frage: Entwickelt sich die Altstadt in Zukunft zu einer Kulisse für auswärtige Besucher, in der die Bewohner nur noch Statisten sind? Oder bleibt sie ein Stadtteil mit einem Wohnumfeld, in dem sich auch Kinder wohlfühlen können und in dem es Anwohnern möglich ist, nachts ruhig zu schlafen und ohne Angst vor kriminellen Übergriffen auf die Straße zu gehen?

Diese Überlegungen führten zum Einen zu einer Erweiterung des Themas Lärm hin zum allgemeineren Arbeitstitel LEBEN IN DER ALTSTADT und zum Anderen zu der Forderung nach einem "Anwalt", der die Bedürfnisse der Anwohner vertritt, als Pendant zum "City-Manager", der die Interessen der Wirtschaft fördert.




siehe auch:

> Abschlussbericht "Lärm in der Altstadt" (2004)

Stadtblatt (26.05.04)

Artikel aus dem "Stadtblatt" der Stadt Heidelberg (26.05.04)

Bündnis gegen Altstadt-Lärm
Zehn weitere Gaststättenbetreiber unterzeichneten die Vereinbarung zur Verminderung von Gaststättenlärm

Altstadt Heidelberg Lärm Saufen Randale Linda Bürgerinitiative
In der vergangenen Woche haben zehn weitere Gaststätten die im letzten Jahr verabschiedete „Vereinbarung zur Reduzierungvon Gaststättenlärm in der Altstadt“ unterzeichnet. Nach der Sommersaison 2003 waren sich alle beteiligten Akteure einig, dass durch diese Vereinbarung der Lärm aus Gaststätten nachhaltig verringert werden konnte. Die Stadt hat deshalb mit weiteren Wirten Gespräche geführt und zehn von ihnen überzeugen können, die Vereinbarung ebenfalls zu unterzeichnen. 

Zu den neuen Unterzeichnerngehören „Amadeus“,die „Palmbräugasse“, „Vater Rhein“, das Hotel „Ritter“, das „Casino“ im Prinz Carl, „Eckstein“, „Mel’s“, „I-Punkt“,„Club 1900“ und „Casa del Café“.

Die Erstunterzeichner waren acht Gaststätten, der Hotel-und Gaststättenverband, die „Bürger für Heidelberg“,die Polizei sowie Oberbürgermeisterin Beate Weber. Die Vereinbarung hat das Ziel,den Lärm für die Bewohner/innender Altstadt auf ein erträgliches Maß zu vermindern. 

Der Kooperationspakt setzt auf Eigeninitiative und umfasst unter anderem folgende Maßnahmen: Reduzierung der Musiklautstärke durch Einbau eines Pegelbegrenzers oder einvernehmliche Festlegung der Lautstärke mit den Anwohnern, Schließen der Fenster ab 22 Uhr oder deutliches Absenken der Musiklautstärke, Einrichtung eines Beschwerdetelefons und Bestimmung mindestens eines geschulten Ansprechpartners, Einschränkung des Alkoholausschanks an bereits alkoholisierte Personen, Ende der Außenbewirtschaftung um 23 Uhr und Einsatz von ausreichend Ordnungspersonal.

Bürgermeister Dr. Eckart Würzner: „Die Bereitschaft zu Selbstverpflichtung und Eigenkontrolle sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Anwohnern und Gaststättenbetreibern machte es möglich, den Konflikt zu entschärfen und die Lärmbelastung mess- und spürbar abzumildern. Der Erfolg gibt uns Recht: Zehn weitere Gaststättenbetreiber treten unserem Kooperationspakt bei.“


Foto: Rothe