Posts mit dem Label Untere Straße werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

RNZ: Lärm in der Altstadt (09.07.14)

Hier ist es am lautesten 

Ein Gutachten zeigt: Die nächtliche Lärmrichtwerte werden in einigen Bereichen deutlich überschritten. Jezt arbeitet man im Rathaus wieder einmal an Vorschlägen



Jetzt haben es die Altstädter schwarz auf weiß: Nachts, zwischen 1 und 3 Uhr, werden die Lärmrichtwerte in der Unteren Straße, in der Kettengasse und in der mittleren Hauptstraße oft um 10 bis 15 Dezibel überschritten. Während die Anwohner des Kneipenviertels demnach häufig unter Ruhestörungen leiden, sieht es im Rest der Altstadt recht entspannt aus. Dies ergibt sich aus dem Gutachten des Büros Genest und Partner (siehe Hintergrund), das der RNZ vorliegt. Nun überlegt die Stadt, wie sie mit den Ergebnissen umgeht.

"Wir befinden uns derzeit in der Anhörungsphase", erklärt Bürgermeister Wolfgang Erichson. Das städtische Bürgeramt hat den Verein Alt-Heidelberg, die Initiative "Leben in der Altstadt" und den Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) um eine Stellungnahme gebeten, wie mit dem Kneipenlärmgutachten umzugehen sei.

Nach dem derzeitigen Diskussionsstand ist noch alles möglich. Denkbar wäre, dass die Kneipen in den besonders lärmbelasteten Bezirken unter der Woche bereits um 0 Uhr und am Wochenende um 1 Uhr schließen müssten. Aber auch eine Verkürzung der Sperrzeit ist im Gespräch. Bisher müssen die Gaststätten in der Altstadt unter der Woche von 2 bis 6 Uhr und an Wochenenden von 3 bis 6 Uhr geschlossen sein.

Besonders die Wirte fordern aber, dass auch für das Herzen Heidelbergs die gängige, liberalere Landesregelung gelten sollte, wonach sie erst um 3 Uhr an Werktagen sowie samstags und sonntags um 5 Uhr zumachen müssten. Das Bürgeramt wird sich überdies mit zwei weiteren Grundsatzfragen beschäftigen müssen: Sollen die Ausnahmeregelungen für die Clubs Cave 54, Tangente und Club 1900 fortbestehen. Sie dürfen am Wochenende derzeit bis um 5 Uhr Gäste bewirten.

Der Verein Alt-Heidelberg gab als Erstes seine Stellungnahme an das Bürgeramt ab und begrüßt die Untersuchung, "die hohe Bedeutung für Heidelberg hat", so die Vereinsvorsitzende Karin Werner-Jensen. Das Gutachten könne erhebliche Folgen für zukünftige Genehmigungen von Außenbewirtschaftungen haben sowie Veränderungen der Sperrzeit zugunsten der Bewohner nach sich ziehen. Der Verein bemängelt aber, dass es keine wirklichen Lärmmessungen gab, sondern dass sich das Gutachten nur auf Berechnungen stützt. Die geschätzte Anzahl der Gäste in den Kneipen orientiert sich zum Beispiel an der Anzahl der Sitzplätze. Werner-Jensen und ihre Mitstreiter sind aber davon überzeugt, dass in einigen Lokalen deutlich mehr Besucher verkehren.

Alt-Heidelberg fordert konkrete, "gerichtsfeste" Lärmmessungen und eine Verlängerung der Sperrzeiten. "Je länger die Gaststätten nachts geöffnet haben, desto unerträglicher wird der Lärm und desto weniger ist ein gesunder Schlaf für die Altstädter Bevölkerung gesichert", so das Fazit des Vereins. Zudem müsse der kommunale Ordnungsdienst personell deutlich aufgestockt werden und nachts viel häufiger kontrollieren.

Ganz andere Schlüsse zieht Dehoga-Geschäftsführerin Melanie von Görtz aus dem Gutachten. Wenn die Kneipen eine Stunde früher schließen müssten, bedeute dies Umsatzeinbußen von mindestens 20 Prozent – und das bei gleichbleibenden Kosten. Noch schlimmer würde es die Clubs treffen, wenn die Ausnahmeregelung gestrichen würde, glaubt von Görtz: "Sie müssten dann schließen." Erst wenn die anderen Gaststätten schon zu sind, gehe das Geschäft der Discos erst richtig los. Offenbar gebe es einen "starken Bedarf" in Heidelberg, spät in der Nacht noch auszugehen.

"Wir sind gegen eine Totberuhigung der Altstadt", macht die Dehoga-Funktionärin klar. Seit 2012 die Maßnahmen des Runden Tisches für die Altstadt umgesetzt worden seien, habe sich die Situation für die Anwohner deutlich entschärft. Die Wirte hätten schon viel geleistet, indem sie für Schallschutz sorgten, Lärmpegelbegrenzer einbauten und Türsteher einstellten. Statt die Sperrzeiten noch weiter zu verschärfen, schlägt von Görtz vor, sie entsprechend der Landesregelung versuchsweise zu liberalisieren. Sie vermutet, dass sich dadurch auch die Lärmbelastung für die Anwohner reduziere, weil nicht alle Kneipengänger zur gleichen Zeit auf die Straße strömten.

Erichson ist für alles offen, nur eine flächendeckende Lärmmessung sei nicht sinnvoll, da bereits der Verkehr dafür sorge, dass die Richtwerte der "TA Lärm" überschritten werden. Denkbar wäre für ihn auch eine öffentliche Anhörung unter Beteiligung der Bürger, bevor dem Bezirksbeirat im November und dem Gemeinderat im Dezember die neuen Vorschläge in Sachen Sperrzeiten unterbreitet werden.


via RNZ Online, Holger Buchwald, 09.07.2014


Hintergrund:

Vorgeschichte: Das Ehepaar Jansen aus der Kettengasse klagte gegen die Stadt, weil die Lärmgrenzwerte in ihrer Straße häufig überschritten werden. Vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg schloss man einen Vergleich: Ein Gutachten solle Klarheit bringen und Argumente liefern, ob die Sperrzeiten verändert werden müssen.

Ausgangslage: 160 Gaststätten gibt es im Untersuchungsgebiet, das vom Bismarckplatz bis zum Karlstor und vom Neckar bis zur Klingenteichstraße reicht. Während im restlichen Heidelberg die baden-württembergische Sperrzeitregelung gilt, müssen die Kneipen in diesem Areal früher schließen. Das Büro Genest und Partner kartierte die bestehenden Lokale und unterteilte sie in die Kategorien Restaurants, Bars, Imbisslokale und Diskotheken. Untersucht werden sollte, inwieweit die Richtwerte der bundeseinheitlichen Verwaltungsvorschrift "Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm" (TA Lärm) überschritten werden. Der Richtwert für Kern- und Mischgebiete, also dem Großteil der Altstadt, beträgt 45 Dezibel.

Das Berechnungsmodell: Grundlage für die Berechnungen sind die geschätzte Anzahl der Besucher, die sich an der Anzahl der Sitzplätze in den Kneipen orientiert. Zudem geht der kommunale Ordnungsdienst davon aus, dass jeweils 20 Prozent der Besucher in den Lokalen stündlich wechseln. Daraus ergibt sich eine Anzahl von Nachtschwärmern, die sich in den jeweiligen Gassen aufhalten. Genest und Partner gingen bei ihren Berechnungen davon aus, dass sie sich laut unterhalten - ähnlich wie dies auf Sportplätzen zu beobachten ist.

Die Ergebnisse: In weiten Teilen des Untersuchungsgebietes werden die Richtwerte eingehalten. In einigen Straßen werden sie leicht überschritten, am deutlichsten jedoch in den Querstraßen Kettengasse, Krämergasse und Haspelgasse sowie natürlich in der Unteren Straße. hob

RNZ: Wirte erleiden Schiffbruch (22.09.11)

Aussenbewirtung, Untere Strasse, Michael Markert, sonderbar, Hans-Dieter Stendel, Destille, Altstadt, Heidelberg, Lärm,Dreck, Randale, Bürgerinitiative LindAIn einer lauen Sommernacht war es stets das gleiche Bild: Hunderte Nachtschwärmer stehen vor den Kneipen in der Unteren Straße und trinken genüsslich ihr Bier. Auch weit nach Mitternacht standen die Menschen noch gut gelaunt zusammen. Doch seit gut einem Jahr, nach Protesten der Bürgerinitiative "Leben in der Altstadt" (LindA), werden solche Partys von der Stadt nicht mehr toleriert. Wenn nach 23 Uhr Menschen mit Getränken vor einer Kneipe stehen, wird das vom Kommunalen Ordnungsdienst als Verstoß gegen die Richtlinien zur Außenbewirtschaftung dokumentiert. Hans-Dieter Stendel von der Destille und Michael Markert von der Sonderbar hatten gegen diese Praxis vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe geklagt - und nun verloren.

Eine Zuordnung, welcher Gast zu welcher Kneipe gehöre, sei nachts in der Unteren Straße überhaupt nicht möglich, argumentierten die Kneipiers in ihrer Klageschrift. Sie behaupteten gar, dass mehr als 90 Prozent der Nachtschwärmer ihre Getränke gar nicht in den Gaststätten bestellen, sondern selbst mitbringen würden. Ohnehin sei für den Straßenverkauf von Getränken keine Sondernutzungserlaubnis erforderlich.

Die Richter vom Verwaltungsgericht sahen das anders und wiesen die Klage ab. Die Bewirtung auf der Straße sei sehr wohl eine Sondernutzung von öffentlichen Plätzen. An warmen Sommerabenden sei in früheren Jahren weder für Fußgänger noch für Rettungsfahrzeuge ein Durchkommen in der Unteren Straße möglich gewesen. Die Sicherheit des Verkehrs sei beeinträchtigt gewesen. Zudem habe der Kommunale Ordnungsdienst bei seinen Kontrollen eindeutig dokumentiert, welche Gaststätte gegen die Regeln zur Außenbewirtschaftung verstoßen habe, von einer Ungleichbehandlung könne daher keine Rede sein.

Bürgermeister Wolfgang Erichson begrüßte das Karlsruher Urteil: "Der Kurs der Stadt wurde eindrucksvoll bestätigt." Die Heidelberger Altstadt dürfe nicht jenen überlassen werden, die rücksichtslos feiern und lärmen. Die Rechte der Anwohner, die in ihren Wohnungen leben und schlafen wollen, müssten genauso berücksichtigt werden, wie das Recht der Gastwirte, ihr Gewerbe auszuüben, oder das Recht der Menschen, im öffentlichen Raum zu feiern, sich zu unterhalten oder einfach nur zu essen und zu trinken.

Während Hans-Dieter Stendel das weitere Vorgehen mit seinen Anwälten noch ausführlich beraten möchte, ist für Michael Markert von der Sonderbar schon so gut wie sicher, dass er vor den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg ziehen wird. Markert: "Ich gehe auf jeden Fall in Berufung, es sei denn, mein Anwalt meint, das ist völlig aussichtslos." Schon während der Verhandlung habe er gemerkt, dass sich das Verwaltungsgericht "sehr staatskonform" verhalte und die Klage in dieser Instanz wenig Aussicht auf Erfolg hat.

Probleme habe er in diesem "bescheidenen Sommer" keine gehabt, berichtet Stendel. Die Lage in der Unteren Straße habe sich in letzter Zeit etwas entspannt, auch der Ordnungsdienst sei "etwas friedlicher" geworden. Trotzdem ärgert sich Stendel, dass er nun wegen eines Verstoßes gegen die städtische Verfügung 250 Euro Strafe bezahlen muss, zumal es mit jedem weiteren Male immer teurer werde. Stendel: "Ich kann doch nicht jeden Gast, der nach 23 Uhr nur kurz auf der Unteren Straße telefonieren will und sein Glas mitnimmt, aufhalten."

RNZ-Online, Holger Buchwald, 22.09.11

Urteil Verwaltungsgericht Karlsruhe (21.09.11)

Heidelberg: Beschränkung der Außengastronomie in der Altstadt rechtmäßig

Pressemitteilung VG Karlsruhe vom 21.09.2011


Verwaltungsgericht Karlsruhe, Urteil, Außenbewirtschaftung, Heidelberg, Altstadt, Untere Straße, Hans-Dieter Stendel, Michael Markert, Destille, Sonderbar Mit zwei soeben den Beteiligten zugestellten Urteilen hat die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts Karlsruhe Klagen von zwei Gaststättenbetreibern gegen die Beschränkung der Außenbewirtschaftung in der Heidelberger Altstadt abgewiesen.

Zwei Gastwirte, die in der Unteren Straße in Heidelberg Gaststätten mit - durch Sondernutzungserlaubnis gestatteter - Außenbewirtschaftung betreiben, wandten sich gegen Verfügungen der Stadt Heidelberg, mit denen ihnen untersagt wird, über die von der erlaubten Außenbewirtschaftung umfassten Flächen und Zeiten hinaus eine Außenbewirtschaftung in der Form durchzuführen, dass sie dort Gäste bewirteten oder es zuließen, dass Gäste dort die in ihren Gaststätten erworbenen Getränke konsumierten. Die Kläger machten geltend, für einen Straßenverkauf von Getränken sei eine Sondernutzungserlaubnis nicht erforderlich.

Im Übrigen hätten durchschnittlich mehr als 90 % der Personen die alkoholischen Getränke nicht zuvor in Gaststätten erworben, sondern mitgebracht. Die Stadt müsse nachweisen, dass die Kläger bewusst duldeten oder sogar förderten, dass eine Außenbewirtung auf der Unteren Straße erfolge. Tatsächlich handele es sich nur um Ausnahmefälle, für die die Kläger nicht verantwortlich gemacht werden könnten. Zudem sei die Stadt gegen andere Gaststätten nicht eingeschritten.

Dem ist die 4. Kammer nicht gefolgt. Zur Begründung hat sie in ihren Urteilen ausgeführt: Die Bewirtung auf der Straße sei eine Sondernutzung. An warmen Sommerabenden sei auf der Unteren Straße weder für Fußgänger noch für Rettungsfahrzeuge ein Durchkommen möglich gewesen, daher sei die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs beeinträchtigt gewesen. Nach den dokumentierten Feststellungen des Kommunalen Ordnungsdienstes stehe eindeutig fest, dass die Kläger in ihren Gaststätten Getränke an Gäste abgegeben hätten, die diese mit Wissen und Wollen der Kläger außerhalb der genehmigten Zeiten und Flächen konsumiert hätten.

Zwar habe die Stadt früher eine Außenbewirtschaftung über die bestehenden Sondernutzungserlaubnisse hinaus geduldet, solange keine Beschwerden der Anwohner vorgelegen hätten. Wegen der zunehmenden massiven Beschwerden der Anwohner im September und Oktober 2009 habe die Stadt im Rahmen ihres bestehenden Ermessens ihre Verwaltungspraxis jedoch rechtmäßigerweise ändern dürfen. Die Kläger seien, nachdem bei ihnen Außenbewirtschaftung festgestellt worden sei, schriftlich angehört und auf die Möglichkeit einer Untersagungsverfügung hingewiesen worden.

Da es in der Folgezeit wieder zu Außenbewirtschaftung durch die Gaststätten der Kläger gekommen sei, habe die Stadt die angekündigten Untersagungsverfügungen erlassen dürfen. Sie habe die Gaststätten der Kläger nicht willkürlich "herausgepickt", sondern sei gleichmäßig gegen all jene Gaststätten vorgegangen, die eine unerlaubte Außenbewirtschaftung durchgeführt hätten.

Die Urteile vom 20. September 2011 (4 K 2211/10, 4 K 2737/10) sind nicht rechtskräftig. Die Kläger können innerhalb eines Monats die Zulassung der Berufung zum Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim beantragen.

> via Verwaltungsgericht Karlsruhe

RNZ: Erschreckende Szenen eines Wochenendes (22.08.11)

Von prügelnden Türstehern und schlagenden jungen Männern

Kiefer gebrochen


[...] Dass Türsteher nicht zu den zartbesaiteten Menschen gehören, ist bekannt, was sie aber einem 31 Jahre alten Mann aus Birkenau antaten, das fällt vermutlich unter „schwere Körperverletzung“.

Es passierte am frühen Sonntagmorgen gegen 1.15 Uhr in der Unteren Straße, als der Odenwälder nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei einen Streit zwischen einem Türsteher und einem Bekannten schlichten wollte. Dabei erhielt er zunächst von einem Türsteher einen Faustschlag ins Gesicht, der ihn zu Boden streckte und ihm den Kiefer brach. Als Freunde des Birkenauers zu Hilfe eilen wollten, formierte sich eine Gruppe von „Aufpassern“ um den am Boden Liegenden und seine Bekannten.

Als der 31-Jährige sich aufgerappelt hatte, trat aus der Gruppe der Türsteher ein zweiter Mann und versetzte dem Verletzten einen weiteren Schlag ins Gesicht, der ging wieder zu Boden und soll für kurze Zeit das Bewusstsein verloren haben.

Der Türsteher soll nach Zeugenaussagen etwa 1,95 Meter groß und sehr kräftig gewesen sein. Aus Angst vor weiteren Übergriffen zogen die Bekannten den Birkenauer weg und brachten ihn mit einem Taxi in die Kopfklinik. Dort wurde der Mann stationär aufgenommen und die Polizei verständigt. Eine spätere Suche nach den beiden Türstehern, die beide nicht deutscher Herkunft gewesen sein sollen, verlief ohne Erfolg. Die weiteren Ermittlungen führt das Polizeirevier Heidelberg Mitte [...].

RNZ, if, 22.08.11

SWR: Ballermann am Neckar (21.09.10)


SWR, Ulrike Baur, Heidelberg, Altstadt, Lärm Randale Dreck, Junggesellenabschied, Untere Strasse, Ballermann, Ballermann am Neckar




Ballermann am Neckar
Streit um die Heidelberger Partymeile
Eine Reportage von Ulrike Baur

SWR, Schlaglicht, Ulrike Baur, Heidelberg, Altstadt, Lärm Randale Dreck, Junggesellenabschied, Untere Strasse, Ballermann, Ballermann am Neckar"Es ist laut, na und? Wer hier wohnt, ist selber Schuld", finden die Partygänger. Ballermann in Heidelberg. Der mittelalterliche Stadtkern zählt mittlerweile zu den Top-Partymeilen der Republik – sehr zum Leidwesen der Anwohner. "Seit ein paar Jahren ist es nachts unerträglich", klagt Mario F., der erlebt, wie Nachtschwärmer volltrunken unter seinem Fenster lärmen. Die Polizei muss her, um die sogenannten "Rucksacktrinker" zu vertreiben. Aber was sollen zwei Polizisten gegen Menschenmassen ausrichten, die bei schönem Wetter auch nach 23.00 Uhr noch dicht an dicht in der Feiermeile herumstehen, ohne jedes Unrechtsbewusstsein, zumal öffentlicher Alkoholkonsum in Deutschland schließlich nicht verboten ist?

Monatelang haben Anwohnerinitiativen, Vertreter der Feierwilligen, Kneipiers, Polizei und Ordnungsdienst mit dem Heidelberger Oberbürgermeister am Runden Tisch gesessen, um die Probleme zu entschärfen. Jetzt darf offiziell ab 23:00 Uhr keine Kneipe mehr draußen ausschenken. Geändert hat das nicht viel: in Heidelberg herrscht nach wie vor Krieg zwischen Partygängern und Anwohnern.

SWR-Autorin Ulrike Baur und ihr Team waren auf der Heidelberger Funmeile unterwegs. Sie haben Feiernde, Kneipiers, frustrierte Anwohner und die Polizei durch die Nacht begleitet. Bis fünf Uhr früh. Dann ist in der Regel Schluss - bis zur nächsten Party auf dem Ballermann am Neckar.


Teil 1


Teil 2

> SWR Schlaglicht: "Heidelberger Partymeile - Ballermann am Neckar"

Ulrike Baur, Ballermann am Neckar, SWR3, Bürgerinitiative Linda, Heidelberger Bürgerinitiativen, Wohnen in der Altstadt, ILA, BIEST, Verein Alt-Heidelberg, Bürger für Heidelberg, Kornmarkt, Dreikönige, Lärm, Lärmbelästigung, Krach, Grölen, Gröler, Ruhestörung, Nachtruhe, Dreck, Randale, Trinken, Saufen, Kotzen, Pinkeln, Untere Strasse, Saufmeile

SWR: Von rosa Hasen und Kondomverkäuferinnen
Junggesellenabschiede in Heidelberg

SWR Landesschau BW, 03.08.2010

SWR, Heidelberg, Altstadt, Lärm Randale Dreck, Junggesellenabschied




Wer im Sommer am Wochenende durch die Heidelberger Altstadt spaziert begegnen recht merkwürdige Gestalten. Frauen und Männer ziehen getrennt in kleinen Trupps durch die Gassen, verkaufen Schnaps, Kondome oder sonstigen Nippes. Es sind Bräute und Bräutigame, die aus ganz Deutschland anreisen, um hier in romantischer Umgebung, ihren Junggesellenabschied zu feiern.

Heidelberg ist zu so etwas wie dem Ballermann für angehende Eheleute geworden.

(Wiederholung vom 02.09.09)





> www.swr.de

Willkommen in der [xxx] Meile Heidelberg! No. 7

Heute Heumarkt: Der neue OB-Kandidat und das Wildpinkeln ... ;-)

Heidelberg, Altstadt, Untere Strasse, Heumarkt, Hans-Dieter Stendel

Mannheimer Morgen: Untere Strasse -
Bei Schlägerei schwer verletzt (30.05.10)

Bei einer Schlägerei in einer Gaststätte in der Heidelberger Unteren Straße ist am frühen Morgen ein 50-Jähriger schwer verletzt worden. Der Mann erhielt (...) mehrere Schläge mit einem Bierkrug auf den Kopf (...).

Mit Schnittverletzungen im Bereich der Halsschlagader wurde der Schwetzinger in eine Heidelberger Klinik gebracht. Sein (...) Begleiter wurde leicht verletzt. Auch dank Zeugenaussagen nahm die Polizei einen (...) Tatverdächtigen fest (...). Gegen ihn wurde ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.


> via Mannheimer Morgen, 30.05.2010

RNZ: Ein Wirt aus der Grauzone (20.05.2010)

In erster Instanz hat er vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe verloren,
jetzt geht Hans Dieter Stendel vor den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg. [...]

Weil Stendel es versäumte, zwei Gäste, die nach 23 Uhr noch vor der Tür standen, zurück in die Kneipe zu holen, soll er ein Bußgeld von über 250 Euro plus 50 Euro Verwaltungsgebühr zahlen. Sein Vergehen: Verstoß gegen die Außenbewirtschaftung. [...]

Der Altstadtwirt will jedenfalls nicht zahlen. "Ich will, dass nun endlich eine endgültige Rechtslage geschaffen werden muss", sagt er gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung. [...]



RNZ, Karla Sommer, 20.05.2010





Leserbrief RNZ, 31.05.2010

Ich verstehe gar nicht, von welcher "Grauzone" dieser Kneipier da redet. Es ist nun mal geltendes Recht, dass Außenbewirtschaftung landesweit um 23 Uhr endet, bei anderen Kneipen und in anderen Stadtteilen klappt es ja auch. 

Als direkter Anwohner, jahrelang geplagt von Kneipen, die öffentlichen Raum, die Gasse, zur Schankmeile bis morgens um drei Uhr machen, kann ich nur begrüßen, wenn auch Herr Stendel sich nun endlich an geltendes Recht halten muss. 

Da nützt auch die Schützenhilfe von Herrn Rohr von der CDU nichts.

Peter Muckenfuß, Heidelberg


(Anmerkung: Herr Rohr ist - 1. Betreiber des Reichsapfel, Untere Straße 35; 2. Stellvertretender DEHOGA-Schatzmeister Rhein-Neckar; 3. Bezirksbeirat Altstadt, CDU)

RNZ : Nicht nur Partymeile (18.03.10)

Nicht nur Partymeile

Seitensprung in Unterer Straße: Cello-Konzert im Weinatrium


Nächtliche Gelage, Raufereien und Party-Lärm - damit war die Untere Straße in letzter Zeit häufiger in den Schlagzeilen. Reichlich Unmut weckte das Verhalten mancher Nachtschwärmer vor allem bei den Anwohnern. Die forderten mitunter gar die gänzliche Stilllegung der Kneipenszene.

Nun soll das Image der eigentlich gemütlichen, weitgehend von urigen Lokalen gesäumten Altstadtgasse zwischen Markt und Universitätsplatz, wieder kulturell aufpoliert werden: "Seitensprung. Kultur in der Unteren" - so nennt sich die Aktion von Galerie p13, Café Burkardt, Weinatrium und "ToK Tee oder Kaffee", mit der die Geschäfte rund um die Untere Straße ein Zeichen dafür setzen wollen, dass es dort auch eine andere, anspruchsvollere Form von Kultur gibt und die Heidelberger Altstadt mehr zu bieten hat, als jene ausufernde Party-Szene.

Die zweite der Veranstaltungen der jungen Initiative findet nun am Freitag, 19. März, um 20 Uhr im Weinatrium (Hauptstraße 169, Eingang Dreikönigsstraße) statt. Unter dem Motto "Von Kitsch bis Kunst" werden zwischen den guten Tropfen ganz besondere musikalische Delikatessen dargeboten: Reimund Korupp, Solocellist des Philharmonischen Orchesters Heidelberg, und sein ehemaliger Schüler Alvaro Huertas erzählen, singen, raufen, jazzen, tanzen und rocken ein ausgewähltes Programm, bestückt mit Werken vom barocken Scarlatti über den romantischen Romberg bishin zu Redman.

Korupp steht als letzter Student von Rudolf Metzmacher in direkter Linie zu Julius Klengel, einem der größten deutschen Cellisten des angehenden 20. Jahrhunderts. Er unterrichtet an der Musikhochschule Mannheim und gibt Konzerte und internationale Meisterkurse im In- und Ausland. Der Spanier Huertas ist bereits erfolgreich in den wichtigen Sälen Europas und Asiens aufgetreten und leitet das Festival Internacionál de Música de San Esteban Gormaz. Zusammen werden die beiden wohl den ein oder anderen "Saitensprung" hinlegen um das Publikum wieder für die Untere Straße zu begeistern.


RNZ, Maria Engel, 18.03.2010

RNZ: Die Stadt will dem "Billig-Alkohol" den Nachschub abdrehen (02.03.10)


Möglicherweise "trocknen" nun die Feiernden in der Altstadt aus - wenn sie nicht in Kneipen gehen wollen. Denn seit gestern gilt auch in Heidelberg das nächtliche Alkoholverkaufsverbot: Zwischen 22 und 5 Uhr darf kein Ladengeschäft mehr alkoholische Getränke verkaufen. Das Verbot gilt nicht nur für die berüchtigten Kioske - von denen gibt es zwei in der Altstadt (eines in der Unteren Straße, eines in der Kettengasse), sondern auch für Tankstellen und Supermärkte.

Die Stadtverwaltung setzt große Hoffnungen in das Verkaufsverbot: "Wir begrüßen das sehr. Denn gerade solche Geschäfte haben doch sehr viel Alkohol nachts verkauft", meint Bürgeramtsleiter Bernd Köster. "Das bringt mit Sicherheit etwas, was die momentane Problematik in der Altstadt angeht."

Bekanntlich haben sich im letzten Jahr die Anwohnerbeschwerden über "Lärm, Dreck und Randale" gehäuft. Und für diese Auswüchse sorgten meist Betrunkene. Immer wieder standen im Kreuzfeuer der Kritik die beiden Kioske, die zu relativ niedrigen Preisen Alkohol an diejenigen Altstadtbesucher verkauften, denen das Trinken in der Kneipe zu teuer war. Auch wenn man es nicht so laut sagt: Insgeheim hofft die Stadtverwaltung, dass das Alkoholverkaufsverbot die Kioske zwingt zu schließen - weil deren Geschäftsmodell bisher ja die "Versorgung" der nächtlichen Partygänger mit billigem Alkohol war. Auch eine weitere "Alkohol-Quelle" droht nun zu versiegen: Der Supermarkt im Carré, einen Geschäftskomplex unweit des Bismarckplatzes. Denn der Markt hat bis 24 Uhr geöffnet und gilt bisher - neben den Kiosken - als einer der Hauptquellen alkoholischen Nachschubs.



RNZ, Micha Hörnle, Foto: Alex 02.03.2010

RNZ: Nach 23 Uhr mit dem Bier vor die Kneipe? (23.02.10)

Das soll jetzt verboten sein

Gerade führt ein Wirt eine Art Musterprozess gegen die Stadt -
Stadt will bei ihrem harten Durchgreifen in der Altstadt bleiben


Die Stadt will das nächtliche Trinken vor den Kneipen verbieten. Wenn der Wirt einen Gast nach dem Ende der Außenbewirtschaftung werktags nach 23 Uhr, wochenends nach 24 Uhr ­mit einem Getränk auf die Straße gehen lässt, dann ist das für die Stadt eine ungenehmigte Außenbewirtschaftung (auch wenn Tische und Stühle längst weggeräumt sind). Deswegen belangte sie einen Wirt, der nicht verhinderte, dass seine Gäste nachts ihr Bierchen nach draußen nahmen. Dafür muss er, so berichtete Bürgermeister Wolfgang Erichson, 200 bis 1000 Euro zahlen. Gegen diese einstweilige Anordnung klagt nun der Wirt vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim; seine Kollegen sehen diese Klage als Musterklage, denn es hat schon weitreichende Folgen, wenn die Gäste in einer lauschigen Sommernacht nicht mehr mit einem Getränk auf die Straße dürfen.


Übrigens: Es macht keinen Unterschied, ob der Gast Selters oder Wodka trinkt. Es geht darum, dass er eigentlich kein Getränk nach dem Ende der Außenbewirtschaftung draußen trinken darf. Das gilt natürlich auch für alle, die zum Rauchen nach draußen gehen ­ Erichson: "Man kann auch ohne Getränk rauchen."

Damit deutet sich eine deutliche Kehrtwende im Umgang der Stadtverwaltung mit den Wirten und ihren Gästen an. Nicht nur, dass sich Heidelberg den längeren, eigentlich landesweit geltenden Kneipenöffnungszeiten widersetzte; selbst in der Fastnachtszeit genehmigte man keine langen Nächte in den Bars, die grundsätzlich erlaubt seien, berichtete OB Eckart Würzner. Und seitdem das Thema "Lärm, Dreck und Randale" zu einem stadtbeherrschenden wurde, habe der Kommunale Ordnungsdienst hart durchgegriffen: 26 Verfahren laufen gerade gegen Kneipenwirte hauptsächlich wegen Verstößen gegen die Außenbewirtschaftung und wegen Verstößen gegen die Sperrzeit. Aber auch 159 Altstadtbesucher wurden seit dem 1. Oktober wegen Ordnungswidrigkeiten belangt - meistens wegen Wildpinkelns. "Von diesen Personen stammen 95 Prozent nicht aus Heidelberg", erklärte Erichson. Die Geschnappten müssten dann direkt vor Ort die 30 Euro Strafe bezahlen.

Würzner und Erichson hoffen auch auf Regelungen des Landes, um die Lage in der Altstadt zu beruhigen. Das Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen könnte Landesinnenminister Heribert Rech, dem Würzner deswegen geschrieben hat, langsam auf den Weg bringen. Doch eine Regelung gilt schon in sechs Tagen: Denn dann dürfen zwischen 22 und 5 Uhr keine alkoholischen Getränke mehr verkauft werden - weder im Supermarkt noch an Tankstellen oder an den beiden Altstadt-Kiosken, die dann wohl endgültig schließen werden. Erichson kündigte an, dass man das Verkaufsverbot streng überwachen werde, bei Verstößen droht ein Bußgeld.

Die Stadt hat sich aber auch noch etwas anderes einfallen lassen, um bei den Wirten die Daumenschrauben anzuziehen: Bei jedem Pächterwechsel muss der neue Wirt eine Lärmprognose auf eigene Kosten vorlegen, die dann über die Konzessionserteilung entscheidet. Die Stadt will auch darauf hinarbeiten, dass Qualitätsgastronomie, also zum Beispiel ein Speiselokal, in leere Kneipen (wie beispielsweise momentan die "Pepperbar") zieht.

Erichson will auch an die Führerscheine der jungen Trinker. Denn wer in der Altstadt öfter damit auffällt, dass er betrunken grölt oder randaliert, der habe wohl ein Alkoholproblem und sei charakterlich nicht geeignet, Auto zu fahren. Diese Nichteignung will man dann der Führerscheinstelle mitteilen. In Karlsruhe, Heilbronn und Stuttgart habe man damit schon gute Erfahrungen gemacht.




RNZ, Micha Hörnle, 23.02.10

Willkommen in der [xxx] Meile Heidelberg! No. 5

Willkommen in der [xxx] Meile Heidelberg! No. 5
Heute: Heidelberg bei Nacht... im Hotel in der Altstadt ...


Heidelberg, Untere Strasse, Hotel, Lärm'schwester gaby' (Rock- & Bluesrockband, Konstanz)
zu Gast in Heidelberg
:

"Ich hatte ein romantisches Hotel in der Haspelgasse gebucht. (...) Das Hotel war wirklich gut, nur war mir vorher nicht klar, dass die Haspelgasse in die “Untere Strasse” mündet und das Hotel einige Zimmer mit Fenster zur “Unteren Strasse” hat, unter anderem auch meines. Die “Untere Strasse” ist die Kneipen-, Club- und Discomeile von Heidelberg.


Nach einem sehr guten Auftritt im Bootshaus biegen wir nachts um 3 Uhr vom Parkhaus kommend an der Heiliggeist Kirche in besagte Strasse ein und können es nicht fassen. (...) Mindestens hundert gröhlende Jugendliche, diverse Alkoholleichen am Strassenrand und Scherben ohne Ende. Ho Narro. Da geht was.

Trotz doppelter Fenster mit Schallschutz kommt der Sound der Nacht gut durch. Speziell die kreischende Stimme eines Mädels und die dazu blökenden Hengste lassen sich gut ausmachen. (...) ich (...) werde gegen 6:30 Uhr gut ausgeruht von einer Armada Kehrmaschinen aus dem Bett geschmissen. Kehrmaschinen klingen besonders intensiv in engen Gassen (...).

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich den Job des Hotelbuchers bei schwester gaby jetzt los bin ;-)"

P.S. Es sei noch anzumerken, dass besagte Kehrmaschine ungefähr 1 Stunde im Kreis drehte und somit immer wiederkehrte. Aber was solls, 2 Stunden Schlaf reichen doch aus, nicht wahr? :-)

Unsere freundliche Bedienung beim Frühstück meinte lächelnd “wir hätten noch Glück gehabt; im Sommer geht das bis 8 Uhr morgens, wer nachts also schlafen will sollte vielleicht ein anderes Hotel buchen :-)


> via 'schwester gaby', Rock & Bluesrockband (11.05.09)

Mannheimer Morgen: Kälte schreckt Feierwütige nicht ab (25.01.10)

Der Mann, der in der Unteren Straße vor dem Lokal "Weinloch" steht, ist hörbar verwirrt. Und das bringt er laut zum Ausdruck: "Wo bist du?", brüllt er gegen halb elf am Freitagabend in sein Handy. "Ich bin in der Unteren Straße, wo bist du?", wiederholt er noch etwas lauter. Ein paar Mal noch geht es so hin und her, dann gibt er auf [...]. Und der Lärmpegel in der Unteren Straße sinkt wieder auf Party-Rauschen.

Seit dem Herbst steht die Heidelberger Altstadt im öffentlichen Interesse. [...] Aus Sicht vieler Anwohner hat die Belastung durch zu laute Musik und Nachtschwärmer ein erträgliches Maß überschritten. Einige haben den Lärm mit Dezibel-Messgeräten erfasst [...]. Demnach gibt es Nächte, in denen es vier Mal lauter ist als erlaubt.

Dieser Freitagabend scheint jedoch einer der ruhigeren [...] zu werden. Davon gehen jedenfalls die Mitarbeiter des Ordnungsamts aus. Gegen halb zwölf machen die drei Männer und eine Frau den ersten Rundgang [...]. "Sie werden nicht viel zu sehen bekommen. Es ist zu kalt"[...].

Vor der "Destille" versucht derweil Marc Dieke das Seine zu tun, um Lärm zu vermeiden. [...] "Bitte keine Getränke mehr mit rausnehmen." Der 23 Jahre alte Archäologiestudent [...] weist die Gäste darauf hin, nicht laut zu sein. [...]. Je später der Abend, desto höflicher muss Dieke werden. Denn bei den Besuchern der Unteren Straße steigt der Alkoholpegel und [...] der Geräuschpegel. Kurz nach Mitternacht geht eine zweiköpfige Polizeistreife zu Fuß durch die Kneipenmeile. Und wie zuvor bei den Ordnungsamt-Mitarbeitern werden die Nachtschwärmer stiller, sobald die beiden Beamten auch nur in ihre Nähe kommen.

Wie es mit dieser Wirkung im Sommer aussieht, wenn sich selbst Polizeipatrouillen kaum noch einen Weg durch die Massen bahnen können, lässt sich an diesem Winterabend nur schwer einschätzen. [...] Dieke weiß, dass sich die Abneigung der Anwohner dann [...] schon einmal in einem Wasserschwall von oben entlädt. "Dann macht es platsch, und die Gäste stehen wie begossene Pudel da" [...] .
> Mannheimer Morgen, Martin Gropp, 25. 01.10

Willkommen in der [xxx] Meile Heidelberg! - No.1

Willkommen in der [xxx] Meile Heidelberg! No. 1

Heute: Kostenlose Stadtwerbung im Internet


> via 'Mortl: Don´t forget to send me a postcard...'


Heidelber, Altstadt, Untere Strasse














"Am Samstag Abend waren wir dann auf Kneipentour."



Untere Straße, Altstadt, Heidelberger















"In Heidelberg gibts relativ häufig Astra und das finde ich spitze."



Laerm, Randale, Dreck, Untere Strasse, Heidelberg















"Es gibt dort die Untere Straße. Da ist eine Kneipe nach der Anderen.
Anders als in Bayern sind die Kneipiers (oder sinds die Ordnungsämter) gechillter,
denn man kann die Getränke ohne Probleme raus auf die Straße nehmen..."




(Datum/Abruf: 11.05.09/10.01.10)

ruprecht: Heidelberg-Altstadt in Aufruhr (10.11.09)

Altstadt in Aufruhr
Anwohner machen mobil gegen Randalierer

Die Stimmung in der Altstadt ist hochexplosiv. Die Anwohner haben genug von Dreck, Lärm und Randale der Feiernden. Derzeit verhandeln sie mit Oberbürgermeister Eckart Würzner an einem Runden Tisch.

Die Protestbanner der Altstadtbewohner zeigen deutlich: Sie können die Grölenden nicht mehr hören, das Erbrochene der Betrunkenen nicht mehr riechen und die Scherben der zerbrochenen Fenster nicht mehr sehen. Um ihre Interessen besser durchsetzen zu können, schlossen sich insgesamt sieben Initiativen Ende August zur Bürgerbewegung „Leben in der Altstadt“ (LindA) zusammen. „Vandalismus und Lärm haben in den letzten sechs Jahren so sehr zugenommen, dass es nicht mehr hinnehmbar ist“, klagt Karin Werner-Jensen, Anwohnerin seit 21 Jahren und treibende Kraft von LindA.

Auf einen Beschwerdebrief im Juli, den 300 Anwohner unterzeichnet hatten, und eine Einladung zu einer Podiumsdiskussion der Initiative im September, war die Reaktion der Stadt „quasi gleich null“. Doch nun hat Oberbürgermeister Eckart Würzner die Altstadt zur „Chefsache“ deklariert und einen Runden Tisch zur gemeinsamen Lösungsfindung vorgeschlagen. Die Altstädter wollen aber nicht mehr reden - sie wollen Taten sehen. Dennoch werden sie am Treffen teilnehmen. „Wir wollen uns dem Dialog nicht verschließen. Wir behalten uns aber vor, den Tisch zu verlassen, wenn keine nachprüfbaren Maßnahmen ergriffen werden“, sagt die langjährige Stadträtin Werner-Jensen (SPD).

Die Initiative fordert, dass die Anwohner die erste Priorität in der Altstadt haben sollen - nicht Einzelhandel und Gastronomie. Schließlich seien sie die arbeitende und steuerzahlende Bevölkerung. Einige weitere Forderungen sind „ein Leben unbeeinträchtigt von Lärm, Randale und Verunreinigung“. Darüber hinaus fordert LindA mehr Präsenz der Ordnungskräfte zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens und die Veröffentlichung der Außenwirtschaftskapazitäten aller Kneipen.

An das LindA-Motto „Dialog statt Konfrontation“ glauben manche Altstadt-Wirte nicht. „Ich bin enttäuscht, dass LindA nie die Gastronomen direkt angesprochen hat“, erklärt ein Wirt der ungenannt bleiben will. Auch als die Kneipen Mohr, Sonderbar, Jinx, Reichsapfel, Palmbräugasse und Destille Plakate mit Parolen wie „Bleibt zu Hause, wir wollen euch nicht“ in der Unteren Straße aufhängten und sich mit einigen LindA-Forderungen solidarisierten, habe die Initiative nicht reagiert. OB Würzner veranlasste inzwischen eine schärfere Kontrolle der Ausschank- und Sperrzeiten der Kneipen, da der Druck der unzufriedenen Bewohner auf ihn weiter wächst.

Auch Studentin Nadja, Bewohnerin der Unteren Straße, erlebt den ständigen Vandalismus und die Verschmutzung vor ihrer Haustür. Um schlafen zu können, benutzt sie Ohrstöpsel. „Das geht, wenn man Studentin ist. Aber wenn man am nächsten Tag arbeiten muss, ist das wirklich hart“, gesteht die 23-Jährige. Die Forderungen der Initiative versteht sie, sieht aber wenig Möglichkeiten klare Regelungen zu treffen.

ruprecht, Ronja Ritthaler, 10.11.09



ruprecht Kommentar

Die Zeichen stehen auf Sturm in der Altstadt. Wenn sich jetzt sogar die Gastronomen über die Zustände beschweren und Plakate gegen ihre eigenen potentiellen Gäste anbringen, kann doch was nicht stimmen. Alkoholgenuss und Partystimmung in allen Ehren, aber das was sich jede Woche nachts in der Altstadt abspielt, hat schon lange nichts mehr mit ausgelassenem Feiern zu tun. Wenn Fahrräder mutwillig beschädigt, Fensterscheiben eingeschlagen werden und in jede Ecke alle erdenklichen Körperflüssigkeiten fließen, erinnert das bestenfalls an ein vernachlässig tes Affengehege im Zoo.

ruprecht, Carolin Dreßler, 10.11.09


> via ruprecht.de Heidelberger Studierenden-Zeitung (Datum/Abruf: 10.11.09/12.11.09)

RNZ Heidelberg: Altstadt, Vandalismus im Café Burkardt (02.11.09)

Ein „Riesenschlag“, den niemand hörte

Heidelberg, Untere Straße, Café Burkhardt, VandalismusDas über 100 Jahre alte Café Burkardt wurde in der Nacht zum Freitag das Ziel von Randalierern.

Ihnen gelang es, eine Scheibe aus Sicherheitsglas – immerhin einen Zentimeter dick – mit gewaltiger Wucht zu zertrümmern. Und das, obwohl der Rollladen davor heruntergelassen war. Möglicherweise steht das mit einer Vandalismus-Serie in unmittelbarer Nachbarschaft in Verbindung, am Café Knösel wurden Blumen herausgerissen.

Für Burkardt-Wirtin Uli Zierl ist das ein weiteres Zeichen dafür, dass in der Altstadt etwas nicht stimmt. Zumindest verwunderte sie, dass trotz des „Riesenschlags“ niemand auf die Idee kam, die Polizei anzurufen – vielleicht auch deswegen, weil es die Altstadt-Bewohner angesichts von Lärm und Vandalismus resigniert haben.

Wer etwas bemerkt hat – schließlich gab es wohl einen lauten Knall –, wird gebeten, sich bei der Café-Betreiberin, Telefon ******, zu melden.

RNZ, Micha Hörnle, Foto: Hoppe, 02.11.09

RNZ: Unter uns (08.08.09)

Unter uns...

Natürlich kommt jetzt das Argument: Wer in der Altstadt wohnt, der darf sich nicht beschweren, der weiß, dass es laut ist. Ist ja auch gar nicht so falsch. Klar, müssen die Altstädter mehr Krach und mehr Dreck ertragen können als die Bewohner anderer Stadtteile.

Aber auch für die Kernstädter gibt es irgendwann eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. 

Und genau dieses Überschreiten, das passiert jetzt.

Kneipen gab es schon immer in der Unteren Straße. Aber im Lauf der Zeit hat sich einiges geändert. 

Zum Ersten kommen immer mehr Besucher in Heidelbergs enge Feiermeile (siehe Junggesellenabschiede, wo die Bald-Ehemänner aus der ganzen Republik keine größere Freude kennen, als sich mit ihren Kumpels zu betrinken).

Zweitens nimmt der Lärmpegel immer mehr zu, dafür das Benehmen umso rapider ab.

Und drittens: Früher gab es keine Außenbewirtschaftung. Jetzt will niemand, dass die Gaststätten wieder ihre Tische und Stühle einräumen, aber irgendetwas muss passieren, sollen die Untere Straße und auch die benachbarten Gassen bewohnbar bleiben.

Im Moment jedenfalls setzt die Altstadtflucht ein. Keiner hat mehr Lust auf Krach, Dreck und Schlaflosigkeit.Wer es sich leisten kann, der zieht weg. Zurück bleiben diejenigen, die hier seit Jahrzehnten wohnen, ihre Häuschen oder ihre Wohnung besitzen und eigentlich das urbane Leben lieben.

Sie können nur auf die Stadt hoffen und darauf, dass es bald einen Plan gibt, 
der zumindest ansatzweise das Miteinander besser regelt als heute.

RNZ, 08.08.09, Ingrid Thoms-Hoffmann

AGHZ: Heidelberger Altstadtwirte- "Gäste sind keine Gröhler" (07.11.09)

Hans Todt, Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2009/45

Gäste sind keine Gröhler
Auch Heidelberger Altstadtwirte gegen Lärm und Dreck

Der Gemeinderat (...) hat einen Bebauungsplan verabschiedet, der es der Stadtverwaltung ermöglicht, die Ansiedlung neuer Gaststätten in der Altstadt zu verhindern. Als Begründung wurde angeführt, die Altstadtbewohner würden unter Lärm und Dreck leiden.

(...) Indessen stellen die Wirte der Altstadtlokale deutlich klar, dass Lärm und Dreck nicht durch ihre Gäste verursacht würden, sondern durch andere Personengruppen.


Die Gastronomie unterstütze alle Maßnahmen für eine saubere und friedliche Altstadt. Diese Botschaft wird jetzt auf entsprechenden Transparenten und Plakaten verkündet.

> ahgz online, Hans Todt (Datum/Abruf: 07.11.09)





siehe auch:

> RNZ: Altstadtwirte zeigen Flagge (24.10.09)
> RNZ Leserbrief: Aggressiver Ton der Altstadt-Wirte (30.10.09)

Heidelberg: Altstadt - Party pur,
Altbierbowle bis zum Umfallen (03.11.09)

Betr.: Ablehnung des Bebauungsplans für die östliche Altstadt.
(Die FDP meint, die Zulässigkeit neuer gastronomischer Betriebe werde zu restriktiv reguliert
)



Sehr geehrte Frau Hommelhoff,


die FDP begründet die Ablehnung des Bebauungsplans für die östliche Altstadt wie folgt:

„Wir haben gegen diesen Plan gestimmt, weil er nach unserer Meinung die Zulässigkeit neuer gastronomischer Betriebe zu restriktiv reguliert.“


Von der Bürgerinitiative LINDA werden solche Positionen sicher aufmerksam registriert, denn ob sich Liberalismus in der Ökonomie auch als Glaubensbekenntnis in der Heidelberger Altstadt eignet, darf zumindest bezeifelt werden. Wenn die Freiheit des Individuums dem wirtschaftlichen Egoismus einzelner geopfert wird, wäre eigentlich die Grundüberzeugung von Liberalen gefragt.

Ob das freie Spiel der Kräfte in der Altstadt funktioniert, kann selbst bezogen auf solche Wirte bezweifelt werden, die für das Anliegen der Anwohner auf den ersten Blick Verständnis zeigen, als Gastronomen die Initiative ergreifen, wie etwa der Betreiber des „Reichsapfel“, Herr Rohr, DEHOGA-Vertreter am „runden Tisch“, heißt es doch auf der Homepage von Heidelberg Marketing


Margret Hommelhof, Bebauungsplan, Bürgerinitiative Linda, Lärm, Lärmbelästigung, Krach, Grölen, Gröler, Ruhestörung, Nachtruhe, Dreck, Randale, Trinken, Saufen, Kotzen, Pinkeln, Untere Strasse, Saufmeile„Am späten Abend gibt es hier fast nur noch Stehplätze,
dafür Party pur und Altbierbowle bis zum Umfallen“





Wer das als „lockeren Spruch“ wertet, mag gutwillig sein, vielleicht aber auch naiv, denn offenbar ist die Kategorie des „immer mehr“ eine Qualität, die überzeugen soll, selbst wenn jemand dabei im Suff den Boden unter den Füßen verliert.

Und damit möchte ich einen Bogen spannen zu einem Beitrag in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ vom 22.10.2009, der alle nachdenklich stimmen wird, denen Städte am Herzen liegen, die kulturelles Erbe repräsentieren.

„Fauler Zauber, Venedig verkommt zur Fassade. 22 Millionen Touristen pro Jahr vertreiben Einwohner aus ihrer Stadt. Den Bürgermeister schert das wenig. Hilferuf eines Einheimischen.“

In 10 Jahren, sehr geehrte Frau Hommelhoff, ist die Zahl der Touristen von 7 Millionen auf 22 Millionen gestiegen, weil sich eine Stadtverwaltung der Diktatur ökonomischer Interessen beugt.

Nun lässt sich die Situation Venedigs zweifellos nicht mit der von Heidelberg vergleichen. Und gleichwohl können wir lernen: Welche Auswirkungen hat ungebremstes Wachstum auf eine Stadt, der schon räumlich, geographisch Grenzen gesetzt sind?

Ist es eine Qualität, wenn sich in 10 Jahren die Kneipen in der Altstadt verdoppelt haben? Wollen wir das? Welche Kräfte des Marktes sollen das verhindern? Wenn das die Freiheit des Individuums bedroht, die Lebensqualität von 11.000 Altstadtbewohnern, dann ist doch gerade eine Partei gefragt, die sich traditionell solchen Werten verpflichtet fühlt, - oder?

Es erstaunt deshalb, dass ausgerechnet die FDP sich einem Votum widersetzt, das eher Ausdruck der Nachdenklichkeit und des Innehaltens ist. Erfreulicherweise haben sich mehrere Gemeinderätinnen und Gemeinderäte – auch der Oberbürgermeister – inzwischen eines Problems angenommen, das weit über das Thema „Lärm, Dreck und Randale“ hinausgeht. Denn unser Problem, das viele von uns nicht schlafen lässt, ist auch Ausdruck einer fehlenden Gesamtkonzeption für die Altstadt, - also ist Gestaltung gefragt.

Der empfohlene Beitrag in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ ist überaus spannend und wirft die Frage auf, ob Deregulierung im konkreten Fall nicht die Raffgier oder Rücksichtslosigkeit weniger befördert und die Freiheit vieler gefährdet.

Wie würde, sehr geehrte Frau Hommelhoff, die FDP in Venedig entscheiden?



Mit besten Grüßen
F. Dänekamp







siehe auch:

> Margret Hommelhof: Ablehnung 'Bebauungsplan östliche Altstadt'
(Stadtblatt, 28.10.09)


> Margret Hommelhof: 'Konstante Kneipenzahl in der Altstadt?'
(Stadtblatt, 14.03.01)