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Bild: Ist Heidelberg eine Saufstadt? (08.10.09)

08.10.09, Bild Rhein-Neckar

Ist Heidelberg eine Saufstadt?

Bild-Interview mit Oberbürgermeister Eckart Würzner


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BIlD: Heidelberg hat unter jungen Menschen bereits das Image einer Saufstadt. Was sagen Sie dazu?

Eckart Würzner: "Heidelberg hat in erster Linie den Ruf, eine lebendige Kulturszene zu haben und dazu gehört auch eine Kneipenszene. Extensiven Alkoholexzessen in der Altstadt haben wir und werden wir durch Ausschöpfung aller rechtlichen Maßnahmen verhindern. Leider ist gerade vor kurzem das Alkoholverbot im öffentlichen Raum und was wir auch in Heidelberg geplant haben in Freiburg durch den VerwaItungsgerichtshof gestoppt worden. Durch polizeiliche Einzellmaßnahmen werden wir jetzt noch stärker aktiv."

BIlD: Die Missstände In der Altstadt sind seit Jahren bekannt. Was hat die Stadt bisher dagegen unternommen?

Würzner: "Die Stadt Heidelberg hat bereits eine Menge von Maßnahmen getroffen. Zuerst hat sie auf kooperative Zusammenarbeit mit den Gaststätten gesetzt. So gab es einen Runden Tisch Lärm in der Altstadt, der dazu geführt hatte, dass viele Gastwirte freiwillig ohne behördlichen Zwang Schalldämmmaßnahmen in den Gaststätten vorgenommen haben. Anfang des Jahres wurde erstmals ein Kommunaler Ordnungsdienst eingesetzt. Vom KOD werden jetzt konsequente Anzeigen gegen ruhestörenden Lärm, gegen unzulässiges Urinieren und sonstige Ordnungsverstöße ausgesprochen."

BILD: Wie lange wird die "Bettlaken-Aktion" der Altstadt-Anwohner geduldet?

Würzner: "Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das ich achte. Gegen die offene Bettlaken-Aktion habe ich grundsätzlich keine Bedenken, sofern dadurch keine Verkehrsbeeinträchtigungen hervorgerufen werden oder das Stadtbild erheblich beeinträchtigt wird."

BILD: Reichen die bisherigen Maßnahmen Ihrer Meinung nach aus, um ein normales Leben In der Altstadt führen zu können?

Würzner: "Wir haben in den letzten Jahren ein großes gesellschaftliches Problem mit jungen Erwachsenen auf der Straße. Auch hat sich das Ausgehverhalten drastisch verändert. Die bisherigen Maßnahmen allein reichen nicht mehr aus. Deshalb sind weitere Maßnahmen geplant. So wurde die Einrichtung eines Runden Tisches eingeleitet, an dem alle Beteiligten an Lösungen arbeiten sollen, um die neuen gesellschaftlichen Probleme zu lösen."


08.10.09, Bild Rhein-Neckar, Carsten Kraenzle


Bürgerinitiative Linda, Heidelberger Bürgerinitiativen, Wohnen in der Altstadt, ILA, BIEST, Verein Alt-Heidelberg, Bürger für Heidelberg, Pro Altstadt, Kornmarkt, Dreikönige, Lärm, Lärmbelästigung, Krach, Grölen, Gröler, Ruhestörung, Nachtruhe, Dreck, Randale, Trinken, Saufen, Kotzen, Pinkeln, Untere Strasse, Saufmeile, Pro Altstadt

siehe auch:
> Bild: "Heidelberger Altstadtbewohner haben die Nase voll von Lärm und Dreck" (07.10.09)

Bild-Zeitung: "Heidelberger Altstadtbewohner haben
die Nase voll von Lärm und Dreck" (07.10.09)

Bild-Zeitung, Carsten Kraenzle, 07.10.09

Bettlaken-Protest gegen Sauforgien 
Heidelberger Altstadtbewohner haben die Nase voll von Lärm und Dreck

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Heidelberg - Das Fass ist übergelaufen. Seit Jahren müssen die Heidelberger Altstadt-Bewohner mit den üblen Auswüchsen wilder Sauforgien leben: Durchfall im Hauseingang, Erbrochenes, das im Kopfsteinpflaster klebt, Uringestank in den Seitengassen, wüste Schlägereien vor dem Schlafzimmer.

„Wie kann die Stadt so etwas dulden?" fragen sich nicht nur die Altstädter. Die Situation ist angespannt. Mehrere Bürgerinitiativen haben die ekelerregenden Zustände an die Stadt herangetragen - ohne Erfolg. Jetzt ist man sich einig: Nur die Gründung einer gemeinsamen Initiative kann die Altstadt vor dem Abstieg hin zur Saufstadt retten. Gleich an der ersten Versammlung von „Linda" (Leben in der Altstadt) nahmen mehr als 250 Bürger teil. Stadträtin Karin Werner-Jensen, eine der treibenden Kräfte: „Wir suchen den Dialog mit der Stadt, nicht die Konfrontation. Doch nun muss etwas passieren."

Eine erste Aktion: Auf großen Bettlaken demonstrieren die Altstadt-Bewohner mit Parolen wie „Mehr Nachtruhe" oder„Wir wollen schlafen" gegen die unhaltbaren Zustände. Alles großflächig sichtbar auch für die vielen Touristen in Heidelberg. Auch die lassen sich von der Partymeile gerne anlocken. Einige Kneipen fördern den Sauftourismus in der Stadt, indem Sie bereits am frühen Abend Ballermann-Hits auflegen.

Gudrun L.: „Wir haben nichts gegen Kneipengänge, wollen, dass die Geselligkeit ihren Platz hat." Doch die Hemmungen sich gehen zu lassen sind gesunken. Ganze Gruppen verabreden sich, um „die Sau rauszulassen".

„Wenn die Gesellschaft sich verändert, müssen auch die Rahmenbedingungen angepasst werden", sagt Sabine lansen (68).

Das fordern die Betroffeııen:
  • Bewohner der Altstadt müssen unbeeinträchtigt von Lärm. Randale, Verunreinigung leben können.
  • Präsenz der Ordnungskräfte von 0-6 Uhr
  • Abstimmung zwischen Polizei und städttischen Ordnungskräften
  • einseitige Bevorzugung von Einzelhandel, Kommerz, Gastronomie abschaffen
  • Veröffentlichung der Anzahl der Gaststätten, der Sitzplätze, Art der Konzession
     

Bild-Zeitung, Carsten Kraenzle, 07.10.09

Treffen zum Pressgespräch am Marktplatz (06.10.09)

LindA & Co. trifft sich mit der Bildzeitung...



siehe hierzu Artikel Bild 07.10.2009