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Offener Brief der Klaeger an Stadt Heidelberg bzgl. VGH-Beschluss (11.04.13)

Offener Brief an die Stadtverwaltung Heidelberg, 
z. Hd. Herrn Oberbürgermeister Dr. Würzner.

Sie kennen den Beschluss des Verwaltungsgerichtshofes Mannheim 6 S 1566/12 vom 20.3.2013, in den dort vorgeschlagenen Vergleich hat die Stadtverwaltung eingewilligt, mit der Einwilligung konnte das Verfahren beendet werden.

Sie kennen vielleicht auch unsere Stellungnahme zu den Konsequenzen aus diesem Beschluss. Wir haben die Stellungnahme Ihnen, dem Gemeinderat, den politischen Parteien, den Bürgerinitiativen und der Presse zugänglich gemacht.

Ihnen ist sicher auch die Rechtssauffassung des Verwaltungsgerichtshofes berichtet worden, die der Richter in der Verhandlung zu diesem Vergleich geäußert hat: Für die genehmigten Ausnahmen von einer Sperrzeitverordnung gelten die gleichen Schranken wie für die Sperrzeitverordnung.

Vor diesem Hintergrund und mit Rücksicht auf die anhaltende Belastung der Anwohner möchten wir Sie bitten, die zur Zeit noch gültigen Ausnahmeregelungen zu überprüfen, nach Möglichkeit bitte noch bevor Sie unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichtes erneut über eine neue Sperrzeitverordnung entscheiden.

Nach der Rechtsauffassung des Gerichtes sind die sich aus den Messungen der Kläger und der Beklagten ergebenden Anhaltspunkte für die Lärmbelastung ausreichend, um mit ihnen eine erneute Sperrzeitverlängerung zu begründen. Das steht im Beschluss und das ist der Hintergrund, der zu diesem Vergleich geführt hat. Die gleichen Anhaltspunkte sind damit aber auch vollkommen ausreichend um die bestehenden Ausnahmeregelungen zu überprüfen.

Nach Angabe von Herrn Bürgermeister Erichson vom 11.3.2010 (PDF, heidelbergeraltstadtlaerm.de) haben Sie alle Betreiber darauf hingewiesen, dass die Ausnahmeregelungen von der Sperrzeitverordnung jederzeit widerrufen werden, wenn es Anwohnerbeschwerden geben sollte.

Der Gerichtsbeschluss bestätigt jetzt, dass dieser Fall schon eingetreten ist. Es steht also auch von daher nichts im Wege, Ihre Ankündigung mit sofortiger Wirkung umzusetzen und die Ausnahmen zu widerrufen.


Mit freundlichen Grüßen und mit vielem Dank im Voraus
Sabine und Götz Jansen 11.04.2013

http://heidelbergeraltstadtlaerm.de/

RNZ: Wirte erleiden Schiffbruch (22.09.11)

Aussenbewirtung, Untere Strasse, Michael Markert, sonderbar, Hans-Dieter Stendel, Destille, Altstadt, Heidelberg, Lärm,Dreck, Randale, Bürgerinitiative LindAIn einer lauen Sommernacht war es stets das gleiche Bild: Hunderte Nachtschwärmer stehen vor den Kneipen in der Unteren Straße und trinken genüsslich ihr Bier. Auch weit nach Mitternacht standen die Menschen noch gut gelaunt zusammen. Doch seit gut einem Jahr, nach Protesten der Bürgerinitiative "Leben in der Altstadt" (LindA), werden solche Partys von der Stadt nicht mehr toleriert. Wenn nach 23 Uhr Menschen mit Getränken vor einer Kneipe stehen, wird das vom Kommunalen Ordnungsdienst als Verstoß gegen die Richtlinien zur Außenbewirtschaftung dokumentiert. Hans-Dieter Stendel von der Destille und Michael Markert von der Sonderbar hatten gegen diese Praxis vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe geklagt - und nun verloren.

Eine Zuordnung, welcher Gast zu welcher Kneipe gehöre, sei nachts in der Unteren Straße überhaupt nicht möglich, argumentierten die Kneipiers in ihrer Klageschrift. Sie behaupteten gar, dass mehr als 90 Prozent der Nachtschwärmer ihre Getränke gar nicht in den Gaststätten bestellen, sondern selbst mitbringen würden. Ohnehin sei für den Straßenverkauf von Getränken keine Sondernutzungserlaubnis erforderlich.

Die Richter vom Verwaltungsgericht sahen das anders und wiesen die Klage ab. Die Bewirtung auf der Straße sei sehr wohl eine Sondernutzung von öffentlichen Plätzen. An warmen Sommerabenden sei in früheren Jahren weder für Fußgänger noch für Rettungsfahrzeuge ein Durchkommen in der Unteren Straße möglich gewesen. Die Sicherheit des Verkehrs sei beeinträchtigt gewesen. Zudem habe der Kommunale Ordnungsdienst bei seinen Kontrollen eindeutig dokumentiert, welche Gaststätte gegen die Regeln zur Außenbewirtschaftung verstoßen habe, von einer Ungleichbehandlung könne daher keine Rede sein.

Bürgermeister Wolfgang Erichson begrüßte das Karlsruher Urteil: "Der Kurs der Stadt wurde eindrucksvoll bestätigt." Die Heidelberger Altstadt dürfe nicht jenen überlassen werden, die rücksichtslos feiern und lärmen. Die Rechte der Anwohner, die in ihren Wohnungen leben und schlafen wollen, müssten genauso berücksichtigt werden, wie das Recht der Gastwirte, ihr Gewerbe auszuüben, oder das Recht der Menschen, im öffentlichen Raum zu feiern, sich zu unterhalten oder einfach nur zu essen und zu trinken.

Während Hans-Dieter Stendel das weitere Vorgehen mit seinen Anwälten noch ausführlich beraten möchte, ist für Michael Markert von der Sonderbar schon so gut wie sicher, dass er vor den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg ziehen wird. Markert: "Ich gehe auf jeden Fall in Berufung, es sei denn, mein Anwalt meint, das ist völlig aussichtslos." Schon während der Verhandlung habe er gemerkt, dass sich das Verwaltungsgericht "sehr staatskonform" verhalte und die Klage in dieser Instanz wenig Aussicht auf Erfolg hat.

Probleme habe er in diesem "bescheidenen Sommer" keine gehabt, berichtet Stendel. Die Lage in der Unteren Straße habe sich in letzter Zeit etwas entspannt, auch der Ordnungsdienst sei "etwas friedlicher" geworden. Trotzdem ärgert sich Stendel, dass er nun wegen eines Verstoßes gegen die städtische Verfügung 250 Euro Strafe bezahlen muss, zumal es mit jedem weiteren Male immer teurer werde. Stendel: "Ich kann doch nicht jeden Gast, der nach 23 Uhr nur kurz auf der Unteren Straße telefonieren will und sein Glas mitnimmt, aufhalten."

RNZ-Online, Holger Buchwald, 22.09.11

RNZ: Damit die Anwohner wieder ruhiger schlafen können (25.11.2010)

Runder Tisch wird Sperrzeitenregelungen diskutieren


Wenn am 15. Dezember erneut der Runde Tisch zusammentritt, um die Lärm- und Schmutzprobleme in der Altstadt zu diskutieren, werden aus der Verwaltung einige interessante Vorschläge kommen. Das verkündete Bürgermeister Wolfgang Erichson auf der letzten Sitzung des Jugendgemeinderats. So wurden verschiedene Möglichkeiten für ein Toilettenkonzept geprüft, ein neuer Moonliner durch die Hauptstraße könnte als "Diskobus" angeboten werden und auch neue Sperrzeitenregelungen wären ab Januar möglich. Was davon tatsächlich umgesetzt werden kann und wird, das betonte Erichson, liegt an den politischen Entscheidungsträgern im Gemeinderat.

Lärmvermeidung sei das wichtigste Ziel der Altstadtbewohner, fasste Erichson die Diskussionsergebnisse der letzten anderthalb Jahre zusammen. "Wir können mit keinem Modell der Welt verhindern, dass sich Menschen im öffentlichen Raum aufhalten", betonte Erichson.

Die Ideen, die die Stadtverwaltung erarbeitet hat, zielen also darauf ab, die Menschenströme nachts zu steuern. Wichtigster Vorschlag: Ein "Diskobus" könnte in den Nachtstunden über die Hauptstraße zwischen Karlstorbahnhof und Bismarckplatz im Halbstundentakt verkehren, rund um die Sperrstunde möglichst sogar viertelstündlich. Als "Zubringer" soll er die Kneipen- und Diskogänger möglichst schnell einsammeln zu den weiteren "Moonlinern", den Nachtbussen in die Stadtteile, bringen. Die bisherige Streckenführung am Neckarufer entlang soll dann entfallen. So könnte einerseits der Zug der Betrunkenen durch die Hauptstraße, andererseits auch der Weg durch die Seitenstraßen in Richtung Neckar eingedämmt werden.

"Den Anwohnern ist der Lärm eines Busses lieber als der Lärm, den die Kneipengänger machen", begegnete Erichson kritischen Nachfragen der Jugendgemeinderäte. Auch wartende Gruppen an den Haltestellen verursachen Lärm. Leuchttafeln an öffentlichen Gebäuden, auch Informationen in den Kneipen, die auf die nächsten Abfahrtszeiten hinweisen, könnten hier hilfreich sein. Ob dieses Konzept wirklich umgesetzt werden wird, sollen Gespräche mit der VRN zeigen.

Im Rahmen einer Beruhigung der Altstadt sind auch die Sperrzeitenregelungen auf dem Prüfstand. Die bisherige Regelung (in der Woche ab zwei Uhr, am Wochenende ab drei Uhr) könnte bestätigt werden. Möglich wäre aber auch, und diese Variante bevorzugt die Verwaltung, eine Sperrzeit unter der Woche um ein Uhr, dafür am Wochenende um fünf Uhr, die landesweit gültige Sperrzeit. "Die Altstadtbewohner wollen vor allem unter der Woche in Ruhe schlafen", erklärte Erichson. Zurückgenommen werden könnte auch die Begrenzung der Außenbewirtschaftung. Die Empfehlung wird lauten, die Bewirtschaftung wieder bis 24 Uhr zu verlängern. "Der Lärm der Außenbewirtschaftung und in Kneipen ist nicht das Problem", so Erichson, das hätten die Diskussionen der vergangenen Monate gezeigt.

Entlastung für eine "Saubere Altstadt" soll ein neues Toilettenkonzept bringen. Geprüft wurden versenkbare öffentliche Toiletten. Auch die Installation eines Toilettenpavillons anstelle des Sume-Brunnens auf dem Heumarkt wurde erörtert, doch hiervon wurde erst einmal wieder Abstand genommen. Neueste und derzeit empfehlenswerteste Idee ist es, laut Erichson, den Eingang des städtischen Amts für soziale Angelegenheiten an der Unteren Straße in Höhe der Haspelgasse zu schließen und hier eine öffentliche Toilette einzurichten.


Sören Sgries (Rhein-Neckar-Zeitung 25. Nov. 2010)

RNZ: Pissoir am Heumarkt (16.10.10)

Ein „Café Achteck“ für den Heumarkt?
Stadt schlägt vor, den Sume-Brunnen zu verlegen,
um dort ein Pissoir zu bauen – Sperrzeit wird diskutiert


Heidelberg, Altstadt, Untere Strasse, Lärm Dreck, Randale, Heumarkt, Pissoir, Wildpinkeln, DehogaDer Sume Brunnen am Heumarkt erhitzte schon vor seinem Bau 1991 die Gemüter in der Altstadt. Nun – knapp 20 Jahre später – scheint die Stadtverwaltung den Brunnengegnern von einst entgegenkommen zu wollen. Denn der Brunnen soll, geht es nach den Vorstellungen von Integrations und Ordnungsbürgermeister Wolfgang Erichson, vor das Theater verlegt werden. Den gewonnen Platz auf dem Heumarkt will Erichson dann für eine Toilettenanlage für die Untere Straße nutzen.

Das Pissoir ist Teil der Maßnahmen, die die Stadt aus den Ergebnissen der Sitzungen des runden Tisches „Pro Altstadt“ umsetzen will. Das „Café Achteck“, wie das achteckige Klohäuschen in Berlin scherzhaft genannt wird, wäre eine kostengünstige Alternative für die versenkbaren Toiletten, den so genannten „Uriliften“. „Der Vorteil ist, dass wir auf dem Heumarkt schon einen Wasseranschluss vom Brunnen haben“, berichtete Erichson im Bezirksbeirat Altstadt. Nach Erfahrungen aus Köln mit den Uriliften müsste man bei diesem Modell mit Baukosten von etwa 55 000 Euro pro Stück rechnen.

Ob diese Anlagen im Bereich der Unteren Straße aufgestellt werden können, müsse im Einzelfall geprüft werden. Ob sie angesichts der angespannten Haushaltslage zu finanzieren sind, müssten jetzt die gemeinderätlichen Gremien entscheiden, so Erichson.

Erichson kündigte ebenfalls an, den Gremien einen Vorschlag über eine Veränderung der Sperrzeiten Regelung vorzulegen. „Die derzeitige Regelung gilt, wie vom Gemeinderat beschlossen, für ein Jahr auf Probe“, so der Bürgermeister. Die Befürchtung, dass es in der Nacht um drei Uhr zu Beginn der Sperrzeit noch einmal zu erhöhten Lärmbelästigungen kommen könnte, habe sich nach den Erfahrungen im Sommer bestätigt.

„Wir haben das Problem erkannt und wollen es ändern“, erklärte Erichson. Zunächst wolle er mit den Vertretern des Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga) darüber sprechen. „Es wird aber in die Richtung gehen, die Landesregelung in Heidelberg einzuführen.“ In Heidelberg beginnt die Sperrzeit in der Woche um zwei Uhr, am Wochenende um drei Uhr. Die meisten anderen Städten halten sich an die Landesregelung: Sperrzeitbeginn ist hier unter der Woche um drei Uhr, am Wochenende um fünf Uhr.

Verärgert zeigten sich viele Bezirksbeiräte, dass Erichson erst mit dem Dehoga sprechen wolle statt mit den Bürgern. Er wolle erst ein Konzept erarbeiten, bevorer es dem runden Tisch vorstelle, so der Bürgermeister. Das Problem der Rucksacksäufer lasse sich aber nicht mit den Mitteln der Ordnungspolizei lösen. „Für das Gesamtproblem gibt es deshalb keine Lösung.“ Das müsse man sich eingestehen. Er versuche aber, dass das Leben für die Menschen in der Altstadt erträglich gemacht werde.

RNZ, Timo Teufert, 16.10.2010

RNZ: Ist die Altstadt jetzt ruhiger? (27.05.2010)


Wirte und Stadt sind unterschiedlicher Meinung


hö. Wurde es mit "Lärm, Dreck und Randale" in der Altstadt besser? Die einen, die Wirte, sagen nein. Die Stadt findet schon. Muss sie vielleicht auch, denn sie setzt nach und nach den 58 Punkte Katalog des "Runden Tisches" zur Altstadtproblematik um. Im März waren diese Punkte von Stadtverwaltung, Anwohnern, Wirten und studentischen Vertretern zusammengetragen worden. Manches muss noch im Gemeinderat beraten werden, manches setzt die Stadt schon jetzt um.

So gibt es zum Beispiel mehr Lärmkontrollen, der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) hat nun eigene Lärmmessgeräte, mit denen er direkt vor Ort auf Anwohnerklagen reagieren kann. Überhaupt werde das Beschwerdetelefon (58 22222) ziemlich gut von den Anwohnern angenommen, berichtet Bürgermeister Wolfgang Erichson. Insofern gebe es auch mehr Beschwerden und Anzeigen, wenn auch "nichts Dramatisches". So habe es in letzter Zeit sechs Bußgeldverfahren gegen drei Kneipen ("immer die gleichen") gegeben.

Aus Sicht der Wirte liegt das anders. Sie berichten über wesentlich mehr Anzeigen oft wegen Bagatellen. So bekamen sie besonders oft deswegen Ärger, weil sie es versäumten, ihr Gäste nicht davon abzuhalten, mit einem Getränk nach 23 Uhr auf die Straße zu gehen. Gegen diese Regelung der Stadt klagte "Destille" Wirt Hans-Dieter Stendel vor Gericht. Den ersten Prozess hat er verloren, aber er macht weiter.

Bürgermeister Erichson will das so nicht stehen lassen: "Natürlich haben die Wirte jetzt das Gefühl, dass sie drangsaliert werden. Aber der KOD sucht immer erst das Gespräch mit den Wirten, bevor es zur Anzeige kommt." Die Wirte berichten auch davon, dass es trotz all ihrer Anstrengungen wie Türpersonal nicht gelungen sei, die Altstadt ruhiger zu machen. Denn den Lärm machen oft nicht ihre Gäste, sondern die Junggesellenabschiede und die Rucksacksäufer. Und auf die hätten die Wirte keinen Einfluss.

Zum ersten Mal nahm die Stadt auf die Wiederverpachtung eines leerstehenden Lokals Einfluss: Erichson will verhindern, dass in die seit Februar geschlossene "Pepper Bar" (an der Jesuitenkirche) eine "Saufkneipe" kommt. So zumindest klang es in den Ohren der Stadt, als der Neupächter sein Konzept vorstellte. Nun lässt sie es auf einen Prozess ankommen, weil sie keine Gewerbeerlaubnis erteilen will.

RNZ, Micha Hörnle, 27.05.2010

RNZ: Schlechte Nachrichten für die Heidelberger Altstadt (05.02.10)

Die Stadtverwaltung dämpft die Hoffnungen der Anwohner,
dass man dem Lärm in der Altstadt mit rechtlichen Mitteln Herr werden kann



Der Lärm in der Altstadt beschäftigt mittlerweile viele städtische oder quasi städtische Gremien: den Gemeinderat, den Runden Tisch ­und nun auch den Bezirksbeirat Altstadt. Doch dieses Mal wurde es konkret ­ und für die Bezirksbeiräte auch etwas frustrierend. Denn BürgermeisterWolfgang Erichson berichtete, was die Stadt konkret tun kann, um dem Dauerproblem Lärm Herr zu werden. Und das ist, nach geltender Rechtslage, nicht viel. Natürlich könnte man, wie oft gefordert, den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD)aufstocken, um Präsenz in der Altstadt zuzeigen. Erichson fand die Idee an sich nicht schlecht, denn auch er beklagte ein "Vollzugsdefizit": "In seiner jetzigen Besetzung ist der KOD nicht in der Lage, seine Aufgabe in vollem Umfang zu erfüllen." Eine Aufstockung des KOD sei eineFrage des nächsten Haushalts, da sei ab Herbst dann der Gemeinderat am Zug.

Und wie sähe es mit mehr Polizei aus, fragte Bezirksbeirat Peter Seidel (SPD)? Man könne doch die Altstadt zu einem Einsatzschwerpunkt machen. Auch da bremste Erichson die Erwartungen: "Wir bekommen einen Einsatzzug der Polizeinur nach wochenlanger Voranmeldung. Die Polizei ist momentan total ausgelastet, was auch an den Einsätzen bei den Fußballspielen in Sinsheim und Sandhausen liegt. Für einen Dauereinsatz in der Altstadt hat die Polizei einfach nicht genug Personal."

Schlechte Nachrichten auch für diejenigen, die gerne fest installierte Lärmmessstellen an den Altstadt-Brennpunkten hätten. Man könne zwar den sogenannten "anlagenbezogenen Lärm", also den der Kneipen- oder Disko-Musik, zur Not noch mobil messen (und auch abstellen). Schwieriger wird es mit dem Lärm, den Menschen machen ­und genau der bringt die Altstadtanwohner ja besonders zur Weißglut. "Für einen solchen Lärm gibt es keine gesetzlichen Lärmschutzrichtlinien", erklärte Bürgeramtsleiter Bernd Köster, es fehlt also schlicht die Rechtsgrundlage: "Unser Rechtssystem kennt den personenbezogenen Lärm nicht", sagte Erichson.

Und mit festinstallierten Messgeräten sieht es schlecht aus, denn die widersprechen den detaillierten gesetzlichen Erfordernissen, wonach zum Beispiel die Schallquelle nicht verdeckt sein darf. Eigentlich darf nur der den Lärm messen,der ein Messegerät hat, das dem Bundes-Immissionsschutzgesetz entspricht. Und das sind in der Regel die Messgeräte, die das Umweltamt vier Mal im Jahr einsetzt.Und die registrieren bekanntlich nur den Kneipenlärm ­ und nicht die Lautstärkevon Passanten.

Aber vielleicht sitze das Problem ja viel tiefer, meinte GAL-Bezirksbeirat Gerd Guntermann. Denn die Probleme der Altstadt seien vielmehr ein bundesweites und ein gesellschaftliches Problem,dem man mit "Teillösungen" so nicht beikommen könne. Dem stimmte auch Köster zu: Das Ausgeh- und Trinkverhalten der jungen Leute habe sich massiv verändert; und wenn die Leute erst einmal voll seien, neigten sie auch viel stärker zur Gewalt. Doch: "Die Rechtsinstrumente im öffentlichen Raum reichen nicht aus."

So gibt es kaum eine Handhabe, gegen Gröler vorzugehen; Randalierer bekommt man nur zu fassen, wenn sie jemanden verletzen und seltener, wenn sie nur gegen Hauswände pinkeln; auch das Alkoholverbot, über das das Land entscheiden muss, ist noch nicht auf dem Weg. Und doch: "Allein nur repressiv tätig zu werden, reicht nicht aus", fand Köster und verwies auf erhebliche Anstrengungen der Stadt bei der Suchtprävention.

Nur: Was nützt die, wenn die Säufer nicht aus Heidelberg kommen? Erichson erklärte, dass die meisten Ordnungswidrigkeiten von Nicht-Heidelbergern begangen würden: "Die kommen aus ihren Kleinstädten, um am Wochenende in Heidelberg die Sau rauszulassen. Und am Montag gehen sie wieder ganz normal ihrer Tätigkeit nach." Und während sie als einzelne noch ganz verträglich seien, seien sie in der Gruppe die Pest.

Erichsons frustriertes Fazit: "Wir können die Probleme nicht allein in Heidelberg lösen." Hoffentlich bleibt es beim nächsten Runden Tisch am Montag nicht ausschließlich bei solchen frustrierenden, da resignativen Einsichten.

Von Micha Hörnle, RNZ 05.02.2010




Hintergrund

Der Runde Tisch "Pro Altstadt" will "Lärm, Dreck und Randale in der Altstadt" offen ansprechen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Der erste Runde Tisch tagte am 10. November (es ging um eine Lageanalyse), der letzte mit konkreten Lösungsansätzen soll im März stattfinden. Zum nächsten Runden Tisch am Montag, 8. Februar, von 18.30 bis 21.30 Uhr im Großen Rathaussaal sind auch wieder Interessierte eingeladen. Es ist der dritte öffentliche Runde Tisch. Zielfür den Montag ist es, dass sich die Vertreter derunterschiedlichen Interessengemeinschaften auf geeignete Maßnahmen und Lösungsansätze verständigen.

Am Runden Tisch nehmen teil: Stadtteilverein Alt Heidelberg, Bürger für Heidelberg, die Bürgerinitiativen "Linda", "ILA" (Initiative gegen ein Einkaufszentrum),"Wohnen in der Altstadt", "BIEST" (Initiative gegen den Stadthallenanbau), "Kornmarkt", "Dreikönige", "FALK" (Initiative der Feierwilligen), Studentenwerk, Fachschaftskonferenz Wirtschaftsförderung, Amt Gaststätten "Destille", "Sonderbar" und "Mels", Mitglieder des Bezirksbeirates der Universität, Kinderbeauftragter, Industrie und Handelskammer Rhein Neckar, Deutscher Hotel und Gaststättenverband Baden-Württemberg, Einzelhandelsverband Pro Heidelberg, Mitglieder des Jugendgemeinderates, Polizeidirektion, Oberbürgermeister Eckart Würzner, Bürgermeister Wolfgang Erichson, OB Referat, Bürgeramt, Amt für Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie, Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Heidelberg Marketing. hö

LindA/Dr. Karin Werner-Jensen: Offener Brief
an Gemeinderäte und OB Würzner (07.10.09)

Dr. Karin Werner-Jensen
69117 Heidelberg
7.10.2009

RNZ Stadtredaktion
Heidelberg


Sehr geehrte Damen und Herren der RNZ, lieber Herr Hörnle,

die Stadtverwaltung hat die Möglichkeit, sich in Pressekonferenzen und Gesprächen zu äußern, daher bitte ich darum, daß ich ebenfalls für die Interessen von LINDA sprechen kann.

Kurz vor meiner Abreise (bis 20.10. verreist) lese ich heute morgen die RNZ und möchte noch Stellung nehmen zu dem Artikel „Linda und OB finden nicht zueinander“:

Die BürgeriNnen und Bürger und die Initiativen der Altstadt wenden sich seit langem gegen „Lärm, Dreck und Randale“ in der Altstadt. Neu ist auf meine Initiative hin der Zusammenschluß aller Altstadt- Initiativen, samt der „Bürger für Heidelberg“ und Stadtteilverein der Altstadt zu gemeinsamer Arbeit in LINDA. Durch sie und durch die starke Beteiligung der Presse, auch der RNZ, ist das Thema ins Bewußtsein der Öffentlichkeit und auch der Stadtverwaltung getreten. Der Anspruch von LINDA ist Dialog statt Konfrontation. Dies habe ich auf der Veranstaltung auch klar formuliert. Nur kann man zum Dialog keinen zwingen. Die Stadtverwaltung war von Anfang an zum Gespräch eingeladen, hat aber nicht teilgenommen.

Der Vorwurf, LINDA sein aggressiv, ist falsch. Im Übrigen bitte ich die Stadtspitze dringend, nicht über eine Veranstaltung zu reden, an der sie leider nicht teilgenommen hat. Der Druck in der Altstadt ist nur erheblich höher als sie es eingeschätzt hat. Deshalb habe ich sie vor der Veranstaltung in etlichen Mails gebeten teilzunehmen: Um sich den Zustand anzuhören, Maßnahmen aufzugreifen und damit die Altstädter zu befrieden.

Die Initiativen und viele Menschen in der Altstadt haben jahrelang Briefe an die Stadtverwaltung geschickt und, nach eigener Aussage, keine oder unbefriedigende Antworten bekommen. Die senden sie mir nun zu und erwarten eine Stellungnahme. Die „Runden Tische“ der Vergangenheit haben den Zustand in der Altstadt nicht verändert.

Nun haben alle Initiativen, Vereine, Alte und Junge, Studenten, Neuzugezogene, Familien und „Uraltstädtler“ einen Forderungskatalog unterschrieben und an den Oberbürgermeister mit ihrer Unterschrift gegeben. Unterstützung zu LINDA und ihren Forderungen haben inzwischen die SPD, GAL, Bunte Linke/ Die Linke und FWV zugesagt. Von den anderen bekomme ich sicherlich auch noch Nachricht. Mit dem Forderungskatalog sollte sich die Verwaltung jetzt einmal befassen, anstatt sich auf Nebenkriegsschauplätze (s. RNZ vom 7.10.09) zurück zu ziehen.

Meine Uraufgabe als Stadträtin ist, die BürgerInnen der Stadt zu vertreten. Genau diese Aufgabe nehme ich zur Zeit wahr. Ich beantworte zur Zeit ehrenamtlich 100te von Mails aus der Bevölkerung, eine Aufgabe, die eigentlich die Stadtverwaltung in bezahlter Arbeitszeit leisten sollte. Im übrigen bedanke ich mich für den Vorschlag von Herrn Erichson und denke wohlwollend darüber nach, mich in Zukunft vielleicht mit Künstlernamen „Jeanne ´d´Arc – LINDA von der Altstadt“ zu nennen.

Dr. Karin Werner-Jensen, Stadträtin



Offenen Brief auch im Namen von LINDA als Antwort auf die RNZ von heute (07.10.09),
der an RNF, die RNZ und die Bürgermeister ging.

Presseerklärung LindA (05.10.09)

Presseerklärung LindA
zu Gesprächskreis: "Leben in der Altstadt"


Bürgerinitiative Linda, Heidelberger Altstadt, Wohnen in der Altstadt, ILA, BIEST, Verein Alt Heidelberg, Bürger für Heidelberg, Kornmarkt, Dreikönige, Lärm, Heidelberg, Pro Altstadt, Lärm, Krach, Randale, Saufen, Untere Straße
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Bürgerinitiative Linda, Leben, Heidelberg, Heidelberger Altstadt, Lärm, Krach, Randale, Saufen, Kotzen, Pinkeln, Untere Straße, Heidelberger Bürgerinitiativen, Wohnen in der Altstadt, ILA, BIEST, Verein Alt Heidelberg, Bürger für Heidelberg, Kornmarkt, Dreikönige, Lärm, Heidelberg, Pro Altstadt, Untere Straße, Dreck, Pinkeln, Kotzen

Brief Linda - Bürgermeister Erichson (05.10.09)

Brief LindA an Bürgermeister Erichson
zu Gesprächskreis: "Leben in der Altstadt"


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Brief Linda - OB Würzner (29.09.09)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Würzner,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Erichson,


seit Juli diesen Jahres treffen sich wieder einmal „Altstädtler“ in mühsamer ehrenamtlicher Arbeit, um einen Zustand in der Altstadt zu erreichen, der ein Weiterleben möglich macht. Es gibt nämlich inzwischen einige Familien, die ausziehen. Das aber verschlechtert die Qualität der Altstadt.

Seit Beginn der Gründung der Initiative LINDA, Leben in der Altstadt, haben wir Sie einbezogen und in zahlreichen Mails auf den Druck in der Altstadt hingewiesen. Wir haben mit Ihnen gesprochen, aber Sie haben nicht geantwortet.

Zuerst war Herr Erichson in Urlaub – sein gutes Recht, dann Herr Dr. Würzner - auch sein gutes Recht. Daß es allerdings in dieser gesamten Zeit nicht möglich war, eine verhältnismäßig kleine Entscheidungen zu treffen und eine Antwort auf unsere sehr freundliche Einladung zu der gestrigen Veranstaltung aus dem Rathaus zu erhalten, wundert jeden, der in großen Unternehmen tätig ist. Wenn auch wichtigere Entscheidungen in so einer Zeit ausgesetzt werden, steht offenbar das Rad im Rathaus ohne die Genehmigung des Oberbürgermeisters still.
Wenn wir heute aus der RNZ lesen, daß ab dem 12.10. eine Veranstaltung von Ihnen geplant ist, so ist das schön. Aber davon wußte bis heute morgen keiner, der bei den Vorbereitungen zu LINDA dabei war, kein Stadtrat und keine Stadträtin und übrigens auch die Polizei, die gestern auf unserem Podium saß, nicht! Eine gute Idee wäre gewesen, zu den Menschen gestern zu kommen und dies der Öffentlichkeit und den StadträtInnen selbst mitzuteilen. Dann hätten Sie leicht Druck aus der Altstadt herausnehmen können.

Falsch ist, daß nur „übereinander“ geredet worden ist. Wir haben zu jeder Zeit ein Gesprächsangebot an Sie gestellt, und wir haben viele Male mit Herrn Erichson gemailt und persönlich gesprochen, zum letzten Mal gestern nachmittag, am Tage der Veranstaltung. Sie wußten, daß er sich den „Abend freigehalten“ hatte und „gerne gekommen“ wäre und es auch für „noch richtiger gehalten hätte, wenn sie selbst kommen.“ So hat es uns jedenfalls Herr Erichson selbst gesagt. Und so habe er es Ihnen auch schon im ersten Bürgermeistergespräch gesagt. Der Oberbürgermeister hat es allerdings vorgezogen, von seinem Recht Gebrauch zu machen, und keinen zu der Veranstaltung zuzulassen.

Aus der RNZ erfahre ich, daß offenbar in einem Flyer Ihr Rücktritt („weg mit dem OB“) gefordert worden ist. Außer dem persönlich unterschriebenen sachlich gehaltenen ersten Brief, der auch namentlich unterzeichnet ist, gibt es selbstverständlich keinen derartigen Flyer von LINDA!! Daß es BürgerInnen in der Stadt gibt, die sich einen anderen Oberbürgermeister wünschen, dürfte Ihnen nichts Neues sein. Daß es vermutlich auch unfreundliche und unverschämte Briefe an Sie gibt, ist leider auch nichts Besonderes. Damit hatte Beate Weber zu kämpfen, und das kennen alle öffentlichen Personen, wir StadträtInnen natürlich auch! Anonyme Drohungen und Unverschämtheiten wandern bei mir sofort in den Papierkorb! Daß Sie solche Äußerungen allerdings so persönlich nehmen, wundert mich.

Ich frage mich allerdings, da wir uns schon 20 Jahre kennen, warum Sie, wenn Sie denn schon die Bemerkung irgendeiner fremden Person so ärgert und sie diese auch noch fälschlicherweise mit LINDA und mir in Verbindung bringen, mich nicht einmal kurz angerufen haben. In einem einzigen Satz hätte ich dieses Mißverständnis von Ihnen aufgeklärt. Ich habe doch nicht in der Hand, wer Ihnen was zuschickt! Die Bürger haben ihre Listen z.T. selbst gebracht, z.T. in Briefumschläge gesteckt, damit ich sie abgebe. Da ich die Sekretärinnen stets um eine Kopie gebeten habe, kann ich Ihnen sagen, daß ich alle Blätter, die bei mir sind, noch einmal durchgesehen habe. Ich habe so einen Flyer nicht und auch nie gesehen!

Das Ziel unserer Veranstaltung war Dialog und nicht Konfrontation. So habe ich es auch gestern formuliert. Alle Vereine und Initiativen haben sich zu einer gemeinsamen Zusammenarbeit entschlossen. Dies war neu und ein Prozeß, gewiß ein sehr schneller. Aber es waren natürlich nicht alle von Anfang an dabei. Und das Wissen einzelner ist in die Gruppe auch nur insofern eingeflossen, als daß es jemand verkünden mußte. Gestern auf dem Podium habe ich z.B. gehört, daß es einzelne Initiativenvertreter (die aber vorher nicht bei LINDA waren) gehört hatten, daß es einen runden Tisch geben solle.

Zum Namen „Leben in der Altstadt“: Wir LINDAner haben erst in Ihrer Mail am 14.9. von Ihrem „Leben in der Altstadt“ (allerdings ohne Datum!)erfahren. Und also den Namen auch nicht „geklaut“. Aber der Name ist nun auch wieder nicht so ungewöhnlich, daß mehrere denselben Gedanken haben könnten. Bedauerlich ist auch, daß die Stadträte diesen Termin nicht kannten, ich jedenfalls nicht. So kann ich z.B. am 12.10. nicht teilnehmen, weil ich verreist bin. Aber es gibt ja eine ganze Turnhalle voller Menschen, die gestern teilgenommen haben und sich dann äußern werden.

Ansonsten hoffe ich, daß wir wieder wie in alten Zeiten miteinander reden und dies nicht über die RNZ tun müssen. Da Sie das angefangen haben, muß ich leider auch öffentlich antworten.

Mit freundlichen Grüßen, Deine Karin/ Ihre Karin Werner-Jensen

Brief: Dreikönigsinitiative - Stadt

Offener Brief an die Stadt Heidelberg

Dreikönigsinitiative

Altstadt Heidelberg Lärm Saufen Randale Linda
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Antwortbrief Bürgermeister Erichson (28.09.09)

Altstadt Heidelberg Lärm Saufen Randale Linda

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RNZ: Untere Straße, "Freiluft-Party nur bis 24 Uhr" (06.08.09)

Freiluft-Party nur bis 24 Uhr

hob. Hunderte Nachtschwärmer stehen bis in die Morgenstunden in der Unteren Straße und trinken ihr Bier. Was für viele Kneipengänger ein Paradies ist, ist für die Anwohner ein Alptraum. Denn das Treiben zieht auch viele "Rucksacksäufer" an, die ihre alkoholischen Getränke selbst mitbringen und nur die Stimmung genießen wollen.

Beschwerden wegen Ruhestörung sind programmiert. "Es wird an unsere Häuser uriniert, Erbrochenes liegt vor der Haustür und die Gassen sind mit Glassplittern übersät. Vielleicht besuchen Sie einmal an einem frühen Morgen die Altstadt und machen sich selbst ein Bild", schreibt die Interessengemeinschaft "Wohnen in der Altstadt" in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Eckart Würzner und den Gemeinderat.

Bürgermeister Wolfgang Erichson will nun neue Wege beschreiten, um die Lärmproblematik wenigstens etwas zu entschärfen. Auf die Untere Straße sollen künftig die ganz normalen Regeln der Außenbewirtschaftung angewandt werden. Das heißt: Bis 24 Uhr dürfen die Kneipengänger vor den Lokalen stehen, danach müssen sie rein; bei Zuwiderhandlungen werden die Gastwirte bestraft.

Viele Altstadt Kneipiers, deren Lokale außerhalb der Unteren Straße liegen, begrüßen den Vorstoß der Stadt. Denn ihre Gäste müssen schon immer spätestens um Mitternacht in die Kneipen.

Der Dehoga will sich aus dieser Streitfrage heraushalten.

Matthias Rohr von der Bezirksstelle Heidelberg spricht sich aber für eine Neuregelung der Außenbewirtschaftung aus.

RNZ, hob, 06.08.09

Morgenweb: Party soll um Mitternacht enden (30.07.09)

Alkoholverbot: Stadt will bestehende Vorschriften strenger anwenden
und in der Unteren Straße für Ruhe sorgen


Party soll um Mitternacht enden

Nachdem der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof (VGH) am Dienstag das Alkoholverbot in Teilen der Freiburger Innenstadt gekippt, und damit für Klarheit in der auch für Heidelberg wichtigen Rechtsfrage gesorgt hat, will die Stadt nun die bestehenden Vorschriften konsequenter umsetzen. Das kündigte gestern der zuständige Bürgermeister Wolfgang Erichson an. So sollen sich künftig beispielsweise nach Mitternacht nicht mehr wie bisher Kneipenbesucher in der Unteren Straße aufhalten dürfen.

Von unserem Redaktionsmitglied Martin Geiger

> via morgenweb.de

RNZ: Erichson setzt jetzt auf Polizeikontrollen und den ,,Runden Tisch" (29.07.09)

Bürgermeister sieht auch nach dem Aus für das Alkoholverbot
Handlungsbedarf in der Altstadt - ­


Neue Regeln für die Untere Straße geplant

Liberale und Gaststättenverband waren entrüstet, als letzten Sommer die Pläne der Stadt für ein Alkoholverbot in Heidelberg bekannt wurden. Das Dezernat von Bürgermeister Wolfgang Erichson war mit der Umsetzung beauftragt. Deshalb wartete er gespannt auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs. Im RNZ Interview erzählt er, was er davon hält.

Wolfgang Erichson, Alkoholverbot, Heidelberg, Altstadt, Untere StrasseDas Alkoholverbot ist gekippt. Sind Sie jetzt erleichtert?
Ich bin froh, dass wir mit dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes jetzt endlich Rechtssicherheit haben.
(...)

Hat Sie die Entscheidung der Richter überrascht?

Nein. Ich war ja in der Verhandlung in Mannheim dabei. Es war abzusehen, dass für die Richter eine Polizeiverordnung kein geeignetes Mittel ist, um alkoholbedingte Gewalttaten zu verhin dern.

Wie ist eigentlich die Situation in der Heidelberger Altstadt?
Das Problem hat sich etwas verlagert. Es gibt weniger Gewalttaten, aber mehr Ordnungsstörungen wie Lärmbelästigungen und wildes Urinieren.


Sie müssen jetzt also weiter nach Wegen suchen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Ja. Der Bedarf ist unstrittig. Übrigens hat uns der Verwaltungsgerichtshof mit seiner Entschei dung geholfen, indem er uns Handreichungen gibt. So sollen wir das bestehende Instrumentarium wie Platzverweise und Aufenthaltsverbote für Störer nutzen. Die Richter sprechen auch von mehr Polizeipräsenz, Beamte sollten nachts gezielt Personen ansprechen. Die Stadt unterstützt dies mit ihrem kommunalen Ordnungsdienst.

Muss der städtische Ordnungsdienst jetzt personell aufgestockt werden?
Die nächtlichen Kontrollen sind natürlich auch Aufgabe der Polizei, nicht nur des Ordnungsdienstes. Sie darf sich bei Ordnungsstörungen nicht heraushalten, sollte sich nicht nur um die Gewalttaten kümmern. Jetzt ist die Landesregierung gefragt. Sie muss Farbe bekennen und die Polizei personell besser ausstatten. Natürlich wollen auch wir von der Stadt unseren Beitrag leisten. Sechs Mann für den Ordnungsdienst sind einfach zu wenig.


Was kann die Stadt sonst noch tun?
Wir werden versuchen, den Runden Tisch von Anwohnern, Wirten, Polizei und Stadt wiederzubeleben. Auch das rät übrigens der Verwaltungsgerichtshof. Und dann muss sich künftig auch jeder Gastronom an die Regeln der Außenbewirtschaftung halten, um Ruhe in die Altstadt zu bekommen. Für die Wirte in der Unteren Straße heißt das, dass ihre Kunden nur bis 24 Uhr auf der Gasse stehen dürfen. Danach müssen sie in die Kneipen.

Wann wollen Sie das umsetzen?

Ab sofort. Vorher müssen wir allerdings noch mit den Gastronomen sprechen. Vielleicht müssen sie ja noch Türsteher einstellen oder andere Vorbereitungen treffen. Der Runde Tisch wird frühestens im September starten. Ich will das Thema ganz bewusst aus dem Bundestagswahlkampf heraushalten.

Was versprechen Sie sich von dem Runden Tisch?
Bewohner und Wirte sollen Absprachen treffen, an die sie sich auch halten. Bei Problemen sollen sie nicht übereinander reden, sondern miteinander.


Und wie sieht es mit dem Alkoholverkaufsverbot aus?
Das Landesgesetz soll zum 1. Januar 2010 in Kraft treten. Dann darf zwischen 22 und 5 Uhr kein Alkohol mehr an Tank stellen und Kiosken verkauft werden.

Heidelberg wollte diese Regelung doch umsetzen, bevor sie im Land in Kraft tritt.
Prinzipiell wäre das möglich. Aber noch hat der Landtag nicht endgültig entschieden. Und bevor die Regelung nicht im Gesetzesblatt veröffentlicht wurde, können wir sie nicht umsetzen. Deshalb rechne ich nicht mehr damit, dass sie vor dem 1. Januar in Kraft tritt.

RNZ, Holger Buchwald 29.07.09

Heidelberg: Sperrzeitverkürzung Erfahrungsbericht (11.11.08)

Drucksache: 0153/2008/IV
Heidelberg, den 11.11.2008


Stadt Heidelberg
Dezernat IV, Bürgeramt



Erfahrungsbericht zur Sperrzeitverkürzung
für Außenbewirtschaftungen auf öffentlicher Fläche


Inhalt der Information:
Der Bezirksbeirat Altstadt, der Haupt- und Finanzausschuss und der Gemeinderat nehmen Kenntnis vom Bericht der Verwaltung über die Erfahrungen bei der Umsetzung des
Gemeinderatsbeschlusses vom 21.06.2007 zur probeweisen Einführung von Sperrzeitverkürzungen für Außenbewirtschaftungen auf öffentlicher Fläche.



II. Begründung:
Mit Schreiben vom 27.02.2007 hat die CDU-Fraktion beantragt, die Außenbestuhlung in der
Altstadt von Mai bis September bis 1.00 Uhr zuzulassen (Antrag Nr.: 0029/2007/AN). Der
Gemeinderat hat daraufhin am 21.06.2007 eine Änderung der „Richtlinien zur Erteilung von
Sondernutzungserlaubnissen zur Außenbewirtschaftung in Heidelberg“ (Anlage 1: Richtlinien in
der bis dahin gültigen Fassung) probeweise für ein Jahr beschlossen. Danach konnte unter
bestimmten Voraussetzungen eine Sperrzeitverkürzung auf 24.00 Uhr für Freitag und Samstag
gewährt werden (Anlage 2: Wortlaut des Änderungsbeschlusses). In der Beschlussvorlage
(Drucksache 0143/2007/BV) wurde dem Gemeinderat ein Bericht der Verwaltung über die
Auswirkungen der Sperrzeitverkürzung nach Ablauf der Saison 2008 angekündigt.



Erfahrungsbericht:
Obwohl die örtliche Presse über den damaligen Gemeinderatsbeschluss berichtet hat und alle
Gaststätten mit Außenbewirtschaftungen auf öffentlicher Fläche zusätzlich schriftlich über die
Möglichkeit einer Sperrzeitverkürzung informiert wurden, gab es nur eine sehr geringe Resonanz.


Einen formellen Antrag für eine Sperrzeitverkürzung haben nur zwei Gaststätten gestellt. In
beiden Fällen wurde jedoch die für die Bearbeitung notwendige Lärmprognose einer Fachfirma nicht beigefügt oder nachgereicht. Darüber hinaus gab es drei telefonische Anfragen interessierter Wirte, denen jedoch kein Antrag folgte. In Gesprächen mit Gaststättenbetreibern wurde deutlich, dass diese die hohen Kosten von mehreren Hundert bis über Tausend Euro für die Lärmprognose scheuen, da selbst bei einer positiven Prognose diese Kosten über eine pro Woche insgesamt nur 2 Stunden längere Betriebszeit kaum zu erwirtschaften seien, zumal diese Erhöhung der Betriebszeiten wegen des Witterungsrisikos oftmals gar nicht erreicht werden könne.


Das Amt für Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie hat selbst eine fachtechnische
Stellungnahme zu den Schallemissionen einer beispielhaft ausgewählten Außenbewirtschaftung
in Auftrag gegeben, um die Erfolgsaussichten für Sperrzeitverkürzungen von Außenbewirtschaftungen auszuloten. Nach dieser fachtechnischen Stellungnahme wurden die nächtlich zulässigen Lärmrichtwerte durch den Betriebslärm der Außenbewirtschaftung unzumutbar überschritten. Es dürfte deshalb nur in seltenen Fällen möglich sein, dass
Außenbewirtschaftungen auf öffentlicher Fläche die nächtlichen Lärmrichtwerte einhalten können.
Dies wurde auch durch die Aussage eines Wirtes bestätigt, der nach eigenen Angaben ebenfalls ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben habe, das zum gleichen Ergebnis gekommen sei.


Schlussfolgerung:
Die Regelung hat sich nicht bewährt. Verlängerte Betriebszeiten für Außenbewirtschaftungen auf öffentlicher Fläche werden weiterhin nur dort möglich sein, wo

  • keine Anwohner von der Außenbewirtschaftung betroffen sind
  • der Umgebungslärm schon nachweislich höher ist als der Betriebslärm der
    Außenbewirtschaftung
  • wenn der Betriebslärm der Außenbewirtschaftung nachweislich die nächtlichen
    Lärmrichtwerte einhält,
  • die betroffenen Anwohner ausnahmslos einer verkürzten Sperrzeit zustimmen.

Für das Jahr 2009 ist eine Überarbeitung der Außenbewirtschaftungsrichtlinien geplant. Dabei
soll umfassend überprüft werden, welche Regelungen sich bewährt haben und bei welchen
Regelungen eine Ergänzung oder Konkretisierung erforderlich ist.


gez.
Wolfgang Erichson



> via heidelberg.de

RNZ: Untere Strasse am Scheideweg (06.08.09)

Untere Straße am Scheideweg:
Wird hier bald nur noch gezecht?

Bürgerinitiative Linda, Lärm, Lärmbelästigung, Krach, Grölen, Gröler, Ruhestörung, Nachtruhe, Dreck, Randale, Trinken, Saufen, Kotzen, Pinkeln, Untere Strasse, SaufmeileDie Untere Straße könnte ihr Gesicht dramatisch verändern. Gleich sechs Wirte würden in der Gasse mit der ohnehin höchsten Kneipendichte in der Altstadt gerne ein neues Lokal eröffnen und stellten einen entsprechenden Bauantrag. Die Stadt hingegen versucht, dies mit allen Mitteln zu verhindern (...).


"Die Kneipensättigung ist längst erreicht", glaubt Bürgermeister Wolfgang Erichson (...). "In der gesamten Altstadt gibt es 211 Lokale bei 11000 Einwohnern. Jede weitere Wirtschaft würde die Wohnbevölkerung und den Einzelhandel noch mehr verdrängen", warnt Erichson.

Sämtliche Anträge für neue Kneipen in der Unteren Straße hat das Baurechtsamt bisher abgelehnt – bis auf einen (...). "Das wird eine Mischung zwischen Bar und Club für Publikum ab 25 Jahren", verspricht Michael Lapicz, der zusammen mit seinen Partnern bereits das "Mel’s" in der Heiliggeiststraße betreibt (...). "Wir haben sie nur genehmigt, weil die Bauvoranfrage bereits im Jahr 2007 gestellt wurde", begründet der designierte Baurechtsamtsleiter Volker Fehrer die Ausnahme: "Außerdem wollten wir an dieser Stelle die letzte Spielhalle in der Unteren Straße loswerden."

Gegen die anderen Anträge will sich die Stadt mit allen Mitteln wehren. Doch sie hat ein Argumentationsproblem. Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan für die östliche Altstadt, mit dem neue Kneipen verhindert werden sollen, noch nicht beschlossen. Da die Stadt sich Zeit ließ und das Projekt nicht vorantrieb (der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan datiert von 2001(...) müssten die Bauanträge (...) genehmigt werden. Und so legten alle Interessenten Widerspruch gegen den ablehnenden Bescheid des Baurechtsamts ein. Nun muss das Regierungspräsidium Karlsruhe entscheiden (...).

"Momentan überwiegt noch die nicht-gastronomische Nutzung in der Unteren Straße", sagt Fehrer: "Doch der Gebietscharakter droht zu kippen." Da der Bebauungsplan östliche Altstadt ohnehin im Herbst verabschiedet werde, könne sich die Stadt mit ihrer Strategie immer noch Chancen ausrechnen.


Matthias Rohr vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht sich hingegen gegen rigide Vorschriften für neue Gaststätten aus. Der Bebauungsplan sei ein falsches Signal für die Hotellerie und Gastronomie, besonders in Zeiten der Wirtschaftskrise. Denn so würden auch neue, hochwertige Kneipen-Konzepte verhindert.

Während sich Dehoga und Stadt noch streiten, melden sich nun auch die Anwohner zu Wort. Sie haben eine Interessengemeinschaft "Wohnen in der Altstadt" gegründet und wehren sich gegen Lärm, wildes Urinieren an Hauswänden und andere Ordnungsstörungen. "Anders als in anderen Städten wohnen hier im Zentrum der Altstadt noch viele Menschen", schreibt die Bürgerinitiative in einem offenen Brief (...): "Wir haben aber das Gefühl, dass Gaststätten hier Vorrang vor den Altstadtbewohnern haben."


RNZ, Holger Buchwald, Foto: Hoppe


> via rnz.de (Datum/Abruf: 06.08.09/01.09.09)










Leserkommentare RNZ online:

Von Peter Muckenfuß am Donnerstag, 06.08.2009 um 23:29 Uhr
Für mich als direkter Anwohner ist es der blanke Hohn,wenn in der Unteren Straße eine unauffällige Spielothek ohne Aussenbestuhlung und nächtliche Gröler durch eine Pseudo-Disco für 200 Besucher ersetzt wird und dies auch noch als Erfolg von Herrn Fehrer gefeiert wird. Genau im "Hot spot" von zerstörter Nachtruhe, Kotze und tobenden Bierfahrern noch ne neue Riesenkneipe als Erfolg zu verkaufen schlägt dem Fass den Boden aus."Herr Fehrer, ich lad' Sie für nur eine Nacht bei mir zu Hause ein. Schlafzeugs brauchen Sie nicht, es ist nur sehr laut....und um 6 Uhr,wenn die Kehrmaschine kommt für den ganzen Müll dürfen Sie heim...in Ruhe schlafen" !!!







Von Ballermann am Freitag, 07.08.2009 um 17:19 Uhr
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:"Da die Stadt sich Zeit ließ und das Projekt nicht vorantrieb - der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan datiert von 2001". Seit 8 Jahren auf dem Abstellgleis... Da fällt einem nichts mehr ein! Die Stadtoberen liegen planlos in einer Duldungsstarre während die Altstadt als Wohnrevier vor die Hunde geht.

Zur Erinnerung... Rahmenplan Altstadtregenerierung (1975): Die Altstadt soll „in erster Linie … zu verbesserndem Wohnen dienen. Die Einrichtungen für Freizeit und Fremdenverkehr haben, insbesondere in der Kernaltstadt, verstärkt auf das Ruhebedürfnis der Bewohner Rücksicht zu nehmen. Der Tendenz zur Ausdehnung von Gaststätten ist entgegenzuwirken.“ (S. 17 Nr. 3.5)

Und dann sagt uns Herr Fehrer: "Momentan überwiegt noch die nicht-gastronomische Nutzung in der Unteren Straße", "doch der Gebietscharakter droht zu kippen."

Herrschaften! Das Revier ist bereits komplett gekippt - Mit einem normalen Leben und Job ist das kaum mehr vereinbar. Deshalb kennen die Damen und Herren das natürlich auch alles nur vom Hörensagen. Denn von der Insel, von Ziegelhausen, von Ortenberg aus läßt sich da nur schwerlich ein erleuchteter Blick drauf werfen.

Laßt uns also kommendes Jahr 25-jähriges Rahmenplan-Jubiläum feiern mit all den Familien und Gewerbetreibenden, die hier glücklich angesiedelt wurden. Mal schauen... "Es gibt keine Chance auf Verlängerung der Veränderungssperre." "Juristisch betrachtet müssten die Bauanträge demnach genehmigt werden." ja dann...Ab 2011 wäre die Übersiedelung die Alteingesessenen in die bald freiwerdenden Quartiere der Amerikaner überdenkenswert.
Überlasst die Altstadt den Irren, Säufern, Kotzern, Pissern und Schlägern, Jungesellen-Abschieds-Runden, Landproleten und Ballermännern. Regenerierung glücklich abgeschlossen! :-D

btw... Für alle Betroffenen empfehlenswertes Unterhaltungs-Programm: Ruft doch bei der nächsten nächtlichen Störung einmal die Polizei an und wartet darauf, was passiert/ob überhaupt was passiert. Erstattet Anzeige. Sprecht beim Ordnungsamt oder beim Umweltamt vor. und wartet... und wartet... Ganz großes Kino... versprochen!

Da wunderts auch keinen mehr, "daß die Anzahl der Beschwerden rückläufig ist".Während Ihr also die nächsten Jahre wartet, daß sich da irgendein Lüftchen bewegt, werden vielleicht die folgenden Fragen der Alstadt-Initiativen an die Stadtoberen beantwortet werden:

01. Welchen politischen Stellenwert haben die BewohnerInnen (11 000 in der Altstadt) gegenüber den Kneipenbesitzern mit Alkoholausschank überhaupt noch? Die BewohnerInnen fühlen sich politisch fast nicht mehr vertreten.

02. Welche Rechte und Pflichten haben die Gastwirte gegenüber der Wohnbevölkerung um sie herum (wie ist der Wortlaut z. B. des Gaststättenrechtes und wie seine Auslegung)?

03. Wessen Rechte haben Vorrang, die der steuerzahlenden in der Altstadt wohnenden und arbeitenden Bevölkerung oder die der Gastwirte und der Ruhestörer?

04. Wer sorgt in welchem Umfang (wie viele Personen bei Polizei und städtischem Aufsichtspersonal) zu welchen Tages- und Nachtzeiten an welchen Tagen der Woche für die Einhaltung der nächtlichen Ruhe?

05. Welche Konsequenzen haben Gastwirte zu erwarten, wenn sich nach 22 Uhr vor ihren Kneipen und Gastwirtschaften lautstarke Gäste aufhalten? (Bußgelder? In welcher Höhe? Herabsetzung der Öffnungszeiten? Schließung der Gaststätte?) Die Polizei sagte ihnen sinngemäß mehrfach, sie sollten sich an die Stadt wenden. Sie könnten mit ihrem wenigen Personal nicht mehr für Ruhe und Ordnung sorgen – „und dann fahren sie wieder ab“, berichten die Betroffenen.

06. Welche Konsequenzen hat die Stadt aus den Ruhestörungen und Verunreinigungen in Bezug auf die Gastwirte bisher gezogen, die für die BewohnerInnen wirksam waren? Um den Marktplatz herum und an anderen Stellen sehen die Betroffenen nur Verschlechterungen – entgegen der Behauptungen von der Stadt!

07. Wie viele und welche Kneipen und Gaststätten haben bisher eigentlich wirklich mal Bußgelder gezahlt und in welcher Höhe?







Von Neckarschleimer am Samstag, 08.08.2009 um 12:58 Uhr
(Antwort auf den Kommentar von RNZ-Leser 'bürger': "Wer all das nicht möchte, muss in die kulturelle und urbane Abgeschiedenheit ziehen, aber er soll sich dann bitteschön nicht beschweren")

Geschenkt 'bürger'! Bei jeder Diskussion muß dieses "Totschlag-Argument" kommen, nicht wahr!?

Wir alle lieben es, "in einer lebendigen Altstadt" zu leben, deshalb sind wir ja hier. Selbstverständlich wird niemand, der hier bewusst wohnt, auf den Gedanken kommen, um 22.00 Uhr absolute Nachtruhe einzufordern, wie man sie in den ruhigeren Wohnvierteln mit Recht erwarten darf.

Aber: Auch für die Bewohner der Altstadt muß Recht weiterhin Gültigkeit haben. Es gilt, die Grenze des Erträglichen zu markieren und dann endlich auch Taten folgen zu lassen! Alibi-Veranstaltungen wie der "runde Tisch" und "gelbe Karte" haben sich lange schon als unbrauchbares PR-Geblubber disqualifiziert.

Auch hier gelten grundsätzlich die Zeiten für Nachtruhe (Landesimmissionsschutzgesetz).
Auch hier gibt es bundesweit gültige Grenzwerte für Mischgebiete, festgeschrieben in der "Technischen Anleitung Lärm".

Nicht einmal ansatzweise werden diese umgesetzt. Im Bereich "Untere Straße" hat sich über die letzten Jahre ein quasi rechtsfreier Raum gebildet, der von der Polizei - wenn es nicht gerade gewalttätig ausartet - nach Möglichkeit gemieden wird.

Das Umweltamt vermeldet hierzu, daß Lärmpegelmessungen nicht mehr möglich sind, weil die Lärmverursacher in der flächendeckenden Anarchie nicht mehr zuzuordnen sind. Und die Polizei vermeldet, sie könne jahrelang gewachsene gesellschaftlichen Misstände nicht korrigieren.

Schuld sind - glaubt man den Gastronomen - die "Rucksack-Säufer" auf den Straßen, in deren Windschatten sie mit kostenfreien "Aussenbewirtungs-Flächen" prächtig Mehr-Umsätze generieren. Um dann scheinheilig am "runden Tisch" Platz zu nehmen, um 'guten Willen' zu dokumentieren.

Was auf dem RNZ-Foto zum Beitrag zu sehen ist, hätte man noch in den 80ern und 90ern ohne jeden Zweifel als "Heidelberger Herbst-Schnappschuss" identifiziert.

Heute ist das "der ganz normale Wahnsinn" - Wochenende für Wochenende.