Borkener Zeitung: Münsters Kneipen-Szene hat sich verlagert (20.09.10)

"Münsters Kneipen-Szene hat sich verlagert"

Ähnliches Problem in Münster

von Dirk Anger in Borkener Zeitung


Münster - Seit gut vier Wochen ist die Großraumdisco Go-Parc dicht. Im Zuge des
Insolvenzverfahrens bleiben am Albersloher Weg die Lichter vorerst aus. Und
logischerweise die Party-Gäste weg. Doch diese Klientel zieht es nun offenbar verstärkt
ins Kuhviertel und in die Hörsterstraße, wie das Ordnungsamt beobachtet hat.

Die Behörde schlägt Alarm, weil aktuell bereits wieder Beschwerden von Anliegern und
Eigentümern eingegangen sein sollen. Deren Tenor: „Es ist abends zu laut!“

„Die Problemlage ist in den letzten Wochen angestiegen“, stellt Ordnungsamtschef Martin Schulze-
Werner fest. Grund dafür aus seiner Sicht: der geschlossene Go-Parc. „Die Szene verlagert sich
nun an die Hörsterstraße und ins Kuhviertel.“

Vor allem die Diskothek Lounge 54 steht unter Beobachtung der Ordnungshüter. Hier wird
verwaltungsintern schon über eine Einschränkung der Öffnungszeiten nachgedacht, wie es aus dem
Ordnungsamt heißt. Bislang darf man in der Disco noch bis 5 Uhr feiern. Ein Anhörungsbogen soll
aber bereits an die Lounge 54 unterwegs sein.

Deren Betreiber Gerald Wissel fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt: „Es sind so viele Leute
unterwegs, die gar nicht bei uns reinwollen.“ Gerade das Beispiel Go-Parc zeige doch, „dass sobald
ein Laden schließt, mehr Menschen durch die Stadt treiben“.

Wissel will seine Gäste an der Lounge 54 mit einer Lärmampel künftig zu mehr Ruhe anhalten.
Ist ein bestimmter Dezibel-Wert erreicht, springt die Ampel auf Rot und die Disco-Tür bleibt
geschlossen. Dabei setzt der Gastronom auf einen erzieherischen Effekt in der Warteschlange.
Zugleich habe er bereits den Sicherheitsdienst aufgestockt. Außerdem kündigt er an, Flyer zu
verteilen, um Ausgehfreudige für das Lärmproblem zu sensibilisieren.

Noch vor den Sommerferien hatte das Ordnungsamt in Sachen Nachtleben in der Innenstadt ein
weitgehend problemloses erstes Halbjahr bilanziert. Danach sieht es jetzt nicht mehr aus.


Dirk Anger (Borkener Zeitung 28. Aug. 2010)