stadtpolitik-heidelberg.de: Bericht Bürgerversammlung
Theodor-Heuss-Realschule (28.09.09)

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Altstadtbürger: „Wir lassen uns nicht vertreiben!“


Altstadt Heidelberg Lärm Saufen Randale Linda„Es geht darum, den Ausverkauf der Altstadt zu verhindern“, leitete SPD-Stadträtin Karin Werner-Jensen, Mitglied von Initiative „Leben in der Altstadt“ (LindA) die Veranstaltung ein. „Es geht nicht um eine Konfrontation mit den Wirten insgesamt oder mit der Polizei“. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht vertreiben“ hatten sieben Initiativen aus der Altstadt zu­sammen mit LindA zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Gekommen waren 350 Alt­städterinnen und Altstädter.


Lärm, Verschmutzung, Vandalis­mus, Randale in der Altstadt wur­den von allen Podiumsteilnehmern beklagt. Ein rechtsfreier Raum sei in der Altstadt entstanden, so Ha­rald Holzwarth von den „Heiligen Drei Königen“. Weder die Stadt­verwaltung noch die Polizei sorge dafür, dass die Altstädter in Ruhe schlafen können, dass Haus und Straße nicht über alle Maßen verschmutzt und beschädigt werden. Besonders schlimm sei die Lärmbelastung am Kornmarkt, beklagte Margret Adam (Kornmarkt-Initiative).


Altstadt Heidelberg Lärm Saufen Randale LindaDer Kornmarkt sei ein geschlossenener Platz, innerhalb dessen der Schall mehrfach reflektiert werde. Vor allem aber weil dort viele öffentliche Veranstaltungen stattfinden, im Jahr an über 90 Tagen. Und dass Lärm krank macht, bestätigten später die eingeladenen medizini­schen und technischen Experten. Belastung der Altstädter durch Tourismus und Einzel­handel sei jedoch nicht nur eine administrative Frage und eine Sache der Polizei, sondern auch eine politische, so Gerd Guntermann, Vertreter der „Initiative lebenswerte Altstadt“. Lärm, Verschmutzung und Vandalismus administrativ anzugehen, sei nur ein Kurieren an Symptomen. Man müsse auch die Ursachen angehen.

Solange der Oberbürgermeister und der Gemeinderat auf eine völlige Vermarktung der Altstadt setzen, seien diese Probleme nicht in den Griff zu bekommen. Jochen Götze (BIEST) meinte, der Anbau eines neuen Kongresszentrums an die Stadthalle sei ein städtebaulicher Ausverkauf der Altstadt, ihre Überfrachtung mit Groß-Events gefährde das Leben und Wohnen. Joachim Förster (Verein Alt Heidelberg) mahnte an, das kulturelle Erbe der Altstadt zu erhalten, und dazu gehöre auch die Wohnnutzung. Nobert Schätzle, Pressesprecher der Polizei, hatte einen schweren Stand. Die Polizei fahre Streife, aber nicht nachts, wenn sie gebraucht werde. Vielen Hinweisen und Anzeigen werde nicht nachgegangen, so die Klage von Teilnehmern der Veranstaltung. Schätzle sieht die Verantwortung der Polizei vor allem in der Verfolgung von Straftaten, Ordnungswidrigkeiten müssten dann manchmal zurück­stehen. Die Polizei alleine könne die Probleme ohnehin nicht in den Griff bekommen, die Stadt sei ebenfalls gefordert.


Der Oberbürgermeister hatte allerdings eine Beteiligung an der Veranstaltung abgelehnt. Er setze auf ein gemeinsames Gespräch mit allen Betroffenen, nicht nur den Anliegern, an einem runden Tisch, so in einem Brief an die LindA und anlässlich einer Pressekonferenz. Einen runden Tische gebe es seit Jahren, beschied Regina Erbel-Zappel (Bürger für Hei­delberg) diesen Vorschlag, er habe nichts gebracht. Was gefordert ist, sind verbindliche Maßnahmen, so die Bezirksbeirätin für die Altstadt. LindA will deshalb auch energisch weiterarbeiten. Eine erste Aktion soll am 3.10. beginnen: Aus Protest gegen die bestehende Situation in der Altstadt sollen die Altstädter weiße Bett­laken aus den Fenstern hängen, um ihren Protest zu demonstrieren - mit oder ohne Be­schriftung.

Die nächste Arbeitssitzung der von LindA findet am 1.10. im Essighaus statt. awl/hs/rc 29.9.2009

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